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Der Morgen · 1929-10-01 · Heft 4 (Oktober 1929) · p. 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 4 (Oktober 1929)
Article
Julius Goldstein
Date
1929-10-01
Page
323 (sequence 11)
Language
German
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Julius Goldstein Ein Lebensbild auch da, wo dankbares Gedenken übers Grab hinaus nach Ausdruck verlangt, Eigentum derer, die es einzig und allein angeht. Aus den Monaten seines Krankseins sei Eines erzählt. So oft man in jener Zeit zu ihm kam, war man immer aufs neue erhoben von dem Sieg, den hier der Geist über den Körper errang. Kaum, daß er von seiner Schwäche sprach', es war, als ob sie für ihn nicht existierte. Mit der Geistesklarheit, die man an ihm gewohnt war, wurden Probleme der Gegenwartskultur durchgesprochen, wurden Pläne entworfen, kreuzten Gedanken sich und rangen nach Ausdruck. Als es ihm schon unmöglich war, die Hochschule aufzusuchen, erzwang er es noch, hart gegen sich selbst, im eigenen Zimmer vor den herbeigerufenen Hörern seine Vorlesungen zu halten. Bei aller Tatkraft, die ihn durchglühte, bei allem Optimismus und all der Hoffnungs- und Schaffensfreude, mit der an die Gestaltung des Lebens herantrat, war in ihm, mit den Jahren immer wachsend, — sicher auch durch die Schwere seines Lebensschicksals und die vielfachen Enttäuschungen bedingt — ein Verlangen nach Ausruhen emporgewachsen. Der Lobspruch auf Gott aus dem Abendgebet, „der die Abende dämmern läßt" wurde ihm zum liebsten Ausdruck des Gebetes. So mögen denn diese Blätter des Gedenkens, der Trauer um Goldstein, gleich dem Nachruf an der Bahre, mit jenem Worte schließen, mit dessen Übernahme wir die fromme Pflicht erfüllen, Gott zu loben und zu preisen auch für das Leid, das er uns schickt. „Gelobt seist Du, Ewiger, der Du die Abende dämmern läßt", der Du den Abend auch " dieses Lebens dämmern ließest und mit der Nacht, die Du nun hereinbrechen ließest, ihn aufnahmst in die Ewigkeit, die er in seinem irdischen Leben mitaufzubauen nicht müde ward. 323

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