Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Internationale jüdische Frauenarbeit
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 287 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Internationale jüdische Frauenarbeit heranwachsenden Generation benutzen, um die Idee des Friedens zu verwirklichen in all ihren praktischen Konsequenzen. Unabhängig von der aUmählich alle Bezirke jüdischen Lebens ergreifenden parteilichen Einstellung, muß die jüdische Frau den Totalitätsbegriff „jüdisch" in seiner Unteilbarkeit immer wieder und immer mehr schützen und stützen und. darf sich nicht beirren lassen, wenn die verschiedenen Parteien sie daraufhin als „politisch" angreifen. Sie muß sich in dem Kampf der Parteien ihre Unbefangenheit und Unbelastetheit bewahren, um mitzuhelfen, daß die Zeit komme, da man die Beachtung des Sabbat nicht mehr als orthodox, die Verbesserung der Rechtsstellung der Frau und ihre Mitarbeit in der jüdischen Gemeinde nicht mehr als liberal, die Teilnahme am Aufbau Palästinas nicht mehr als zionistisch verurteilt, sondern alles als untrennbare Bestandteile jüdischer Erneuerung empfindet. Dieses Ziel jüdischer Erneuerung aber wird den jüdischen Frauen immer wieder neue gemeinsame Aufgaben weisen und ihrer Bewegung den ihr eigenen Rhythmus geben. Eine Führerin der interkonfessionellen Frauenbewegung, die an unserer Hamburger Tagung teilnahm, gestand in ihrer Begrüßungsansprache, daß sie die Vorsitzende des jüdischen Frauenweltbundes darum beneide, Führerin einer so jungen Bewegung zu sein, deren besondere Schwungkraft und Lebendigkeit sie spüre; denn — so fügte sie hinzu — dieser Elan und diese Hingabe kennzeichnet immer den Anfang einer Bewegung. Es folgt dann das „gesetztere Alter", in der Tempo und Temperament sich mäßigen. Ähnliches prophezeite mir eine Führerin unserer Bewegung, als ich vor sechs Jahren über den Geist, der die Wiener Frauentagung beherrscht hatte, berichtete. Sie meinte: „Die nächste jüdische internationale Frauentagung werden Sie nüchterner beurteilen". Das ist mir beim besten, ehrlichsten Willen zu Sachlichkeit und Objektivität nicht möglich. Mir scheint im Gegenteil, daß die immer ernstere und. klarere Erkenntnis dessen, was die jüdische Frau von sich verlangt, was die jüdische Gemeinschaft von ihr fordern muß, ihre immer festere Bindung an die Gesamtheit der jüdischen Frauen, den Funken, den die gemeinsame jüdische Frauenarbeit in ihr entfacht, immer heißer zum-Glühen bringt, immer reiner und lebendiger zur Bewegung werden läßt. 287