Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 279 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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^Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Textes des Deuteroniums in die Zeit nach dem Exil, widerspricht also der seit de Wette allgemein gelehrten Identifikation dieses Buches mit dem nach den Königsbüchern (II. Kön. 22 ff.) unter Josia gefundenen Gesetzbuch. Obwohl man Hölscher vor allem als den scharfsinnigen Erforscher des Hesekielbuches und der Geschichte der Kanonizität des Alten Testaments, also wegen ganz großer Leistungen zu verehren hat, darf man seine philologisch-historische Kritik der Bücher Ezra-Nehemia als verfehlt bezeichnen. „Man braucht die Geschichtlichkeit der Figur Esras vielleicht nicht ganz zu leugnen" (Hölscher bei Kautzsch-Bertholet, 4- Aufl., Bd. II, S. 494)- Die bevorstehende Veröffentlichung der neuen Untersuchungen des Königsberger Semitisten Hans Heinridh Schaeder über Esra an Hand des philologisch-methodisch (in sprach-, namentlich stilvergleichender Methode) dargebotenen iranischen und semitischen Urkundenmaterials wird den sonderbaren Spuk einer Vorstellung von der „Reform Esras als legendenhaften Reflexes der Reformen, die sich seit der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts in der Judenschaft vollzogen haben" (siehe jetzt nach dem Vorgang von Eduard Meyer bei Hölscher, Geschichte der israelitischen und jüdischen Religion, S. i4o), endgültig bannen. So wogt, was an wenigen Beispielen zu beweisen war, auf dem von der protestantischen Theologie beherrschten Forschungsfeld vom Alten Testament — das Verdienst großer Gelehrter wie Hempel, Kittel, Greßmann, Hölscher, Sellin und sehr vieler anderer bleibt dabei unangetastet — alles, Fragestellung und Fragebeantwortung, durcheinander; die scheinbar festesten Bollwerke der Bibelkritik sind ins Wanken geraten und die Konstruktionen, Behauptungen, Quellenscheidungen und Beweisführungen stehen einander diametral gegenüber. Die mehrfach hier als ordnende Retterin aufgerufene Sprachwissenschaft auf vergleichender Grundlage wird das Schiedsamt übernehmen müssen. Dabei ist das bisherige Maß der Kritik nicht etwa einzudämmen, sondern auszudehnen, zu verschärfen und auf bewährte, in der Altphilologie und indogermanischen Sprachwissenschaft geübte Grundsätze zurückzuführen. (Schluß folgt.) 279