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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn
Date
1929-08-01
Page
215 (sequence 3)
Language
German
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Albert Lewkowitz: Moses Mendelssohn zum 6. September 1929 Und doch bedeutet der Eintritt des Judentums in die neuzeitlich« europäische Kultur durch Mendelssohn eine einzigartige neue Lage, am ehesten zu vergleichen dem Eintritt der Judenheit in die hellenistische Kultur. Als der Talmudjünger Mendelssohn in Berlin zum Repräsentanten der Philosophie der Aufklärung wurde, begann für das Judentum die Neuzeit. Was will das besagen? Was ist diese Philosophie der Aufklärung und welches Schicksal bedeutet sie für das Judentum? Man ist geneigt, auf die Philosophie und Kultur der Aufklärung etwas geringschätzig herabzublicken, ihr mangelnde Tiefe, oberflächlichen Rationalismus, unhistorische Denkweise, Phantasiearmut vorzuwerfen. Und diese Vorwürfe mögen nicht unbegründet sein. Aber um der Aufklärung gerecht zu werden, ist es auch notwendig, die revolutionäre Energie hervorzuheben, mit welcher das Zeitalter der Aufklärung politisch, wirtschaftlich, sozial und geistig ein neues Europa schuf. Es würde zu weit führen, dies eingehender darzulegen. Es möge genügen, darauf hinzuweisen, daß mit dem 17. Jahrhundert sich das staatliche Leben der Herrschaft der Kirche entzieht, daß der souveräne Staat seine Machtmittel auf Heer und Beamtentum, auf eine rationelle Wirtschaft gründet, die in Handel und Industrie ihre Fundamente hat. Der Geist der freien Konkurrenz und das vom Staat begünstigte Unternehmertum führen zur Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte des Bürgertums und zur Hebung seines Selbstgefühls. Handel und Verkehr überbrücken die sozialen Unterschiede zwischen den Ständen, die nationalen Unterschiede zwischen den Völkern, die konfessionellen Unterschiede zwischen den Menschen. Eine neue Wissenschaft von der Natur führt zur Erkenntnis der mechanischen Gesetze der Natur, eine neue Technik stellt die erkannte Natur in den Dienst des Menschen. Die Stellung des Menschen in der Natur wird erneut zum Problem der Philosophie. Eine rationale Ethik und rationale Gotteserkenntnis tritt an Stelle der überlieferten dogmatischen Begriffe der Konfessionen und ihrer Offenbarungslehren. Das Verhältnis der natürlichen Religion und Ethik zur geoffenbarten Lehre wird erörtert, und diese Erörterung führt entweder zur Feststellung des offenen Gegensatzes oder wird durch Kompromiss überbrückt. Heribert von Cherbury, Locke, Shaftesbury, Descartes, Spinoza, Leibniz sind die Führer und Wegbereiter der rationalen Weltanschauung der Neuzeit. In diese weltweite Offenheit des Geisteslebens tritt Mendelssohn aus der Enge und Abgeschlossenheit des Talmudstudiums, das bisher vorwiegend seine Welt gewesen. Es beweist die Reinheit und Lauterkeit seines Charakters, wie 2t5

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