Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Oscar Levertin
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 199 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oscar Levertin Von Carl D. Marcus An der modernen nordischen Literaturkritik sind Juden und Halbjuden entscheidend mitbeteiligt. Ich nenne außer Georg Brandes Männer wie Oskar Levertin, Karl War bürg, Schück, Fredric Böök undMar t in Lamm, die Wesentliches auf dem Gebiete der Literaturwissenschaft und Philologie geleistet haben, sowohl als Dozenten wie auch in ihren Schriften. Besonders bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang Leben und Arbeit des Schweden O s - karLevertin, geboren 1862,gestorben 1906. Sein "Vater war ein angesehener Antiquitätenhändler. Da der Sohn von Jugend an kränklich war, wurde seine Heimat das Studierzimmer. Er begann in den 80er Jahren als Kritiker, ohne sich mit der herrschenden realistischen Richtung recht anfreunden zu können. Um 1890 herum wurde er, zusammen mit seinem Freund Verner von Heidenstam, Anreger der Neuromantik, die in Schweden eine weit größere Rolle spielte als in Deutschland. Und jetzt entfaltet Levertin eine ungemein reiche Produktion. Er wird der führende Literaturkritiker der neuorganisierten Zeitung Svanska Dagbladet, die bald das sogenannte Kulturorgan Schwedens wird. Es gehört zu den angenehmen Eigenschaften der Schweden, daß die Politik keine allzugroße Rolle im Geistesleben spielt. Eine führende Zeitung wird allgemein beliebt, wenn nur ihr kultureller Teil gut ausgebaut und redigiert ist. Jede große schwedische Zeitung hat in der Regel zwei fest angestellte Kritiker, die sich nur mit Literatur befassen. Hierdurch kann der Leser sich den Kritiker wählen, der ihm gefällt und nach dessen Urteil er Bücher liest und kauft; denn die bedeutenden Bücher des In- und Auslandes werden sehr eingehend in Essays gewürdigt. Durch diese fortlaufende Literaturkritik entsteht in Schweden, wie in den anderen nordischen Ländern, eine öffentliche Meinung von maßgeblichem Einfluß. Die Presse ist hier wirklich noch eine Vertreterin des Geistes. Sensationsnachrichten kommen erst in zweiter Linie. Nur so ist auch die angesehene Stellung Levertins als Literaturkritiker zu verstehen. Niemals zuvor hatte ein Kritiker ein solches Echo, wie er im Svanska Dagbladet. Noch heute kann ich mich entsinnen, mit welcher Spannung ich auf einen Aufsatz von Oskar Levertin 199