Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Gustav Landauers Briefe [Rezension]
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 194 (sequence 1)
- Language
- German
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Gustav Landauers Briefe1) Von Margarete Susman Wir besitzen von Gustav Landauer eine große Anzahl von Büchern und Schriften, in denen er sein Leben, seine Überzeugung und sein reiches, umfassendes Wissen niedergelegt hat. Alle diese Werke bieten ein klares, einheitliches Bild. Aber erst seine eben erschienenen Briefe vollenden dies Bild, zeigen uns die Gestalt und das Ereignis Landauer in seiner ganzen großen und originalen Menschlichkeit. Aber damit zeigen sie uns noch mehr. Sie geben uns einen geschichtlichen Einblick und Überblick von schmerzlicher Eindringlichkeit. Genau 10 Jahre sind es, seit Gustav Landauer Hen Tod für seine Überzeugung erlitten hat, und schon blicken wir, die wir inzwischen das schwere und zähe Leben dieses Jahrzehnts weitergesponnen haben, auf seine Gestalt wie auf eine Erscheinung einer fernen, entschwundenen Welt zurück. Diese Briefe zeigen uns ein Menschenbild von einer Schönheit, das in unserem heutigen Dasein keinen Lebensraum mehr hätte, und lehren uns Mitlebende so den ganzen Abstand jener Zeit von der unseren ausi) Gustav Landauer. Sein Lebensbild in Schimmer herausgegeben von Martin Buber. I messen. Wir empfangen hier also nicht nur das Bild eines seltenen Menschen, sondern wir lernen aus den zwei Jahrzehnten geschichtlichen Lebens, die wir durch seine Augen sehen, zugleich das Damals aus dem Jetzt und das Jetzt aus dem Damals begreifen. Was uns in diesen Briefen zunächst und immer neu überwältigt, ist in allem Reichtum von Leben und Wissen, in aller Kraft und Leidenschaft, in aller Phantasie und allem Traum die tiefe, unerschütterliche Sicherheit, das unantastbare In-sich-selbst-Ruhen dieses Menschen gegenüber allen auf ihn wirkenden und ihm benachbarten Strömungen, Meinungen und Gewalten: das in einem letzten Sinne Unproblematische dieses problembewegtcn Daseins. Die einsame, ganz für sich stehende Gestalt Landauers hat einen Umriß von einer ruhevollen Festigkeit, der an den eines großen, einsam stehenden Baumes erinnert, dem alles um ihn her zu seiner Landschaft wird. Und der Vergleich mit einem mächtigen Baume drängt sich auch von anderer Seite her auf; denn dies ist das Briefen. Unter Mitwirkung von Ina Britschgiütten & Löning, Frankfurt a.M. 194