Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 173 (sequence 1)
- Language
- German
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament1) Von Ludwig Feuditwanger L Der Anteil der Juden an der wissenschaftlichen Erforschung der Bibel Der Standort der alttestamentlichen Wissenschaft außerhalb der christlichen Theologie Der auffallend geringe Anteil jüdischer Gelehrter an der Forschung des Alten Testaments ist oft beobachtet worden. Innerhalb der allgemeinen Geisteswissenschaften wird das mit diesen Urkunden zusammenhängende Wissen hauptsächlich von den theologischen Fakultäten beider christlicher Bekenntnisse gepflegt- Durch diesen Standort war eine breite ununterbrochene, zeitweise sehr intensive und großartige Beschäftigung mit dem genannten Gebiet durch prinzipiell und ausschließlich nichtjüdische Gelehrte durch viele Jahrhunderte — lange vor der modernen geisteswissenschaftlichen Sehweise — an und für sich gegeben. Als Gelehrte jüdischer Abstammung längst im Rahmen der abendländischen Wissenschaften mit anerkanntem Erfolg mitzuarbeiten begonnen hatten, blieben sie der modernen Wissenspflege der großen klassischen Literatur ihres eigenen Volkes fern. Für Juden und Christen übrigens eine *) Dieser Aufsatz enthält (zunächst in diesem und im folgenden Heft) nur die ersten zwei Kapitel zu dem Thema. Die religionsgeschichtliche (namentlich frömmigkeitsgeschichtliche) Problematik sowie die sprachwissenschaftlichen Probleme, fernerdie sich an die einzelnen Teile des Alten Testaments knüpfenden Hauptfragen (Geschichtsbücher, Recht, Prophetenfrage, Psalmen) sollen Gegenstand besonderer Untersuchungen sein, die entweder hier in späteren Heften oder in Fachzeitschriften erscheinen. — In der Transskription semitischer Texte sowie in der Zitierung von Literatur ist von den gebräuchlichen streng wissenschaftlichen Formen absichtlich abgewichen. 173