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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 130

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Katholizismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
130 (sequence 1)
Language
German
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Katholizismus und Völkerfriede Von Theodor Steinbüchel Die Frage Krieg und Friede, Völkergegensatz und Völkerversöhnuag vom katholischen Standpunkt aus zu sehen und zu beantworten, ist nur möglich, wenn sie aus dem Rahmen des rein Politischen herausgenommen und im Ganzen der katholischen Welt- und Menschenbetrachtung, d. h. aber faktisch sub specie aeternitatis erörtert wird. Denn als Religion begreift der Katholizismus das Zeitliche nur in Relation zum Ewigen. In dieser Betrachtungsweise eignet dem katholischen Denken ein realistischer Blick, der die Wirklichkeit in ihrem Vollumfange sehen will, wie sie ist Das Wirkliche der gegebenen Welt ist wirklich nur, weil es durch Gottes Schöpfertat gewirkt wurde. Es bleibt in diesem Ursprung immer bezogen auf das Ewige, es ist ein Gleichnis und begrenztes Symbol des Ewigen, das als Gottes Schöpferidee in ihm sich darstellt. Es ist nicht „nur ein Gleichnis", sondern es bleibt in substantieller Fülle ein Wirkliches, ein realisierter Schöpf ergedanke. Diese Wirklichkeitsbetrachtung ist immer und von Anfang an getragen von ehrfurchtsvollem Staunen vor der Welt als der Schöpfung Gottes und von einem Willen hebender Versenkung in alles Seiende, von dem sich die Erkenntnis belehren lassen will, ehe die Spontaneität des Denkens es in Begriff und Begriffssystem ordnend formt. Weil aber das Seiende den Hinweis auf den Schöpfergott für diese religiöse Weltbetrachtung in sich trägt, so birgt sich in dieser gläubig realistischen Haltung immer auch ein Wissen um Endlichkeit und Begrenztheit aller Menschenerkenntnis, eine Distanz auch des Erkennens zur Welt, weil dieses nicht ein Erdenken der Wirklichkeit ist, wie es Gottes schöpferischem Geiste allein eignet, sondern ein Nachdenken der Gedanken Gottes, die in dessen Schöpfung sich darstellen. Alles Wirkliche birgt ein letztes Unbegreifliches, weil die Quelle des Wirklichen, das Urwirkende, unbegreif- 130

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