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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
130 (sequence 23)
Language
German
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Deutscher Protestantismus und Völkerfriede 7) In eindrucksvoller, ethisch fundierter Weise trägt G. von Schulze-Gaevernitz die wirtschaftlichen Gründe für die Friedensarbeit vor; z. B. Voss. Zeitung, 20. 9. 1928, Nr. 445: „Durch Weltwirtschaft zum Weltfrieden". 8) Als Beispiel dafür nenne ich das Werk von Ernst Friedrich „Krieg dem Kriege!" Verlag „Freie Jugend", Berlin. Es ist sicher richtig, daß solche Photographien als Dokumentensammlung möglichst weiten Kreisen zugänglich gemacht werden. Gegenüber der illusionären Art, mit der so oft, besonders auch vor der Jugend, vom Kriege geredet wird, ist es nötig, das wirkliche Gesicht des Krieges bekannt zu machen. Aber der Verfasser übersieht, daß sich sein Verfahren leicht auf andere Gebiete übertragen läßt und deshalb an Überzeugungskraft einbüßt. Man könnte z. B. über die sozialen Verhältnisse oder über das politische Parteileben oder über das, was alles an unseren Vergnügungsstätten vor sich geht, mit Hilfe eines Bildermaterials zu ähnlich vernichtendem Urteil kommen. Und doch weiß ein besonnener Beobachter, daß hier überall auch noch anderes zu sagen wäre. 9) Hier ist zu erinnern an den frühchristlichen Streit um die Stellung des Christen zum Waffendienst. Tertullians ablehnende Schrift „De Corona militis" gehört in eine Debatte hinein, die schon früh die Christen bewegte. Der alte Vorwurf, die Christen seien Atheisten, stützte sich schon im ersten Jahrhundert u. a. darauf, daß sie dem Staat den Kriegsdienst verweigerten. Tatsächlich waren jedoch zahlreiche Christen Soldaten. 10) Diese Auffassung ergibt sich aus der lutherischen Rechtfertigungslehre. In ähnliche Richtung weisen Gedanken von Martin Dibelius in seinem Buch „Geschichtliche und Übergeschichtliche Religion im Christentum" 1925, wo er von der Ethik unterscheidet das zugrundeliegende Ethos, vom Tun das Sein (z. B. S. 58). 11) Selbst ein so hervorragender Ethiker wie H. Martensen ist dieser Gefahr erlegen. In seinem berühmten Werk „Die christliche Ethik", Spez. Teil, 2. Abt., 3. Aufl. 1886, beruft er sich in den SS 95 ff., vor allem im S 98 auf Luthers Schrift, erwähnt jedoch mit keiner Silbe den von uns hervorgehobenen Passus. 12) William James: „The Moral Equivalent of War." Febr. 1910. New York. 13) Hier darf ich auf die Gedanken des Münchener Kardinals Faulhaber verweisen, die er in seiner letzten Silvesterpredigt geäußert hat. Im Druck zugänglich durch Nr. 1/2 „Monatsblatt des Versöhnungsbündes", Jahrg. 6, 1929, 12 ff., besonders die Artikel 3 u. 4. Ich möchte darüber hinaus auch die Gewissenspflege während des Krieges noch stärker betonen. 1*) In einem gehässigen Artikel der Kreuzzeitung (Neue Preußische Zeitung) vom 26. Febr. 1929 Nr. 87 wird mir unterstellt, ich setze die Verkündigung des Evangeliums gleich „mit Mahnrufen zur Feigheit und Verächtlichmachung männlichen Kampfesmutes und Heldentums". Besonders ausfällig wird der Verfasser dieses Artikels gegen mich, weil er mir — wiederum zu Unrecht — unterschiebt, ich hätte der Kirche zugemutet, sie solle zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen. Da diese Angriffe sich auf einen kirchlichen Vortrag in Kassel bezogen, so ist die amtliche Pressestelle der dortigen Kirchenbehörde für mich eingetreten. In ihrem Schreiben heißt es u. a.: „Er hat den Krieg als das hingestellt, was er nach der Verkündigung des Evangeliums tatsächlich ist: die fürchterliche Offenbarung des radikalen Bösen im Menschen, das nur durch Stärkung des lebendigen Gottesglaubens entwurzelt werden könnte." Diese erfreulich sachliche Stellungnahme einer kirchlichen Instanz hat die Red. d. Kreuzztg. veranlaßt, in ihrer Nr. i46 vom i4- 4- 29 eine Berichtigung zu bringen. Sie schränkt die Polemik des ersten Artikels ein auf die ihr zugegangene Berichterstattung über meine Ausführungen („in der Form, wie sie uns vorlagen"). Da ich mit jener „Form" nichts zu tun habe, so ist damit die persönliche Seite der Angelegenheit erledigt. In der Sache hinfägen bleibt nach wie vor die Frage offen, ob sich der „gesunde" Wehrgedanke so glatt „dem" azifismus entgegensetzen läßt, wie die Kreuzzeitung es gern haben möchte. 15) über die kirchL Friedensarbeit orientiert gut Adolf Keller, Die Kirchen und der Friede, 1927. Eine über die christl. Kirchen hinausgreifende, alle Religionen vereinende Friedensbewegung pflegt die sog. Church peace union, über die man sich jetzt am besten orientiert aus „The World's Religions against war", New York. The Church Peace Union 1928 (Bericht über eine Tagung in Genf Sept. 1928}. 129

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