Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Zur Erziehung unserer Kinder
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 611 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Erziehung unserer Kinder Von E. Mannheimer Der Aufsatz von Professor Erich Stern Im letzten Heft des „Morgen": „über die Bedeutung religiöser Formen für die Erziehung" muß geradezu aufrüttelnd auf jeden wirken, dem es mit der Absicht, sein Kind in jüdischer Religion zu erziehen, ernst ist. Besser als es hier ein Psychologe, ein Jugendpsychologe vom Fach, getan hat, kann die Bedeutung religiöser Formen für die Erziehung gar nicht erklärt, bewiesen und ihre Einreihung in die Erziehung gefordert werden. Mit einem früheren Aufsatz: „Zur Psychologie des jüdischen Kindes" im „Morgen" zusammen ist nun alles gründlich gesagt, was zu diesem Thema überhaupt zu sagen wäre. Wir dürfen aber nicht bei dieser theoretischen Betrachtung stehen bleiben, sondern müssen die Folgerungen daraus ziehen, wir müssen etwas tun. Jch knüpfe an den letzten Absatz des Aufsatzes von Stern an. Es ist ohne Zweifel richtig, daß mit dem bloßen Übernehmen und Nachahmen alter Formen gar nichts getan ist. Das Kind wird in seiner unverdorbenen, kritischen Art die Hohlheit solchen Tuns schon merken. Ein Kind mit Menschen zusammenzubringen, die noch alte Formen halten und üben, halte ich für nicht minder verkehrt. Denn das Kind wird fragen, warum denn die Eltern diese Bräuche, die sie doch anscheinend für notwendig und schön erachten, nicht selbst üben, und wird leicht die Eltern wegen dieses Mangels unter jene Freunde stellen. Wären z. B. die Großeltern jene Menschen, bei denen es einen Kiddusch oder Sederabend miterleben dürfte, müßte es nicht fragen: „Warum folgt denn der Vater in diesen Dingen seinem Vater nicht, wie kommt er dann dazu, mich durch den Großvater darin unterrichten zu lassen?" Es bleibt wirklich nur der Weg, daß Eltern sich wieder selbst mit den alten Formen und Gebräuchen beschäftigen, ihre Ausübung erlernen, ihren Sinn sich so zu eigen machen, daß auch ihnen die alte Form wieder einen Inhalt zeigt, und daß sie dann „b'lew", mit dem Herzen, ihren Kindern die allen, schönen Bräuche, Gebete, Feste überliefern. Ich weiß von einer ganzen Anzahl meiner Freunde, daß für sie, die zumeist alle Formen abgestreift hatten, das Problem plötzlich und in seiner ganzen Schwere sich auftat, als 611