Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 599

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Nationalismus und Intoleranz
Date
1929-02-01
Page
599 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895482-2899410--03301-2899523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nationalismus und Intoleranz immer laut und bisweilen gewalttätig; sie sprechen von der Kanzel und vom Podium; sie lassen unzählige Pamphlete und Zeitschriften in die Welt gehen; sie bilden geheime Gesellschaften. Sie durchdringen das öffentliche und private Leben Amerikas; sie greifen in die Politik, in das Heerwesen und in die Erziehung ein. Sie wollen durchaus Amerika zu einem weißen Lande, einem nordischen Lande,einem englischredenden Lande, einem protestantischen Lande machen. Unaufhörlich und ausnahmslos greifen sie Neger, Katholiken, Juden, Sozialisten, Italiener, Slawen, Japaner, Chinesen und alle anderen In- oder Ausländer an, die ihrer Meinung nach in irgendeiner Beziehung anders sind als sie selbst, und deshalb ihrer Vorstellung vom amerikanischen Nationalismus feindlich gegenüberstehen. Beispiele für die mangelnde Selbstbeherrschung und die Intoleranz der Ultranationalen lassen sich aus jedem modernen Nationalstaate bis zum Überdruß anführen; eins wird uns genügen. Es ist eine einzelne Nummer eines in den Vereinigten Staaten weit verbreiteten Halbmonatsheftes, das unter vielem anderem ähnlicher Art folgende Behauptung enthält: „Es muß zwangsweise anerkannt werden, daß die amerikanischen Ideale und Institutionen wesentlich nordischen und angelsächsischen Ursprungs sind. Lief Ericson, der Entdecker im Jahre iooo, die Pilgerväter und Mütter 1620, die Koloniengründer 1776 waren nordisch;- Latinismus, Romanismus, Columbianismus sind fremde feindliche Eindringlinge." „Japaner gehören nicht hierher, können uns unsere Gesetze nicht diktieren, können niemals zu uns gehören, müssen gänzlich ausgeschlossen werden und die schon hier sind, müssen deportiert werden." „Wir erklären in Christi Namen, daß unter unseren amerikanischen Gesetzen kein Römisch-Katholischer in Amerika ein Amt innehaben kann oder die Rechte eines amerikanischen Bürgers ausüben, weil er Untertan eines fremden Polentaten ist — des Papstes in Rom." „Weil Amerika heute die einzige wahrhaft christliche Nation ist, deren Ideale schließlich das ganze Angelsachsentum beherrschen soll, weil die richtigen Amerikaner nach Rechtschaffenheit lechzen, weil Amerika der Ort ist, wo die Prophezeiung sich erfüllt, durch Christi zweites Kommen •— aus diesen Gründen können die Juden ____ und die Römisch-Katholischen----nicht länger hier bleiben. Die Beschützer Amerikas wissen, daß dies Christi Land ist, und daß er durch sein Volk alle Fremden von unseren Küsten vertreiben wird." *) — i) The American Standard, Bd. I, No. 8, den i5. April igi4. 599

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.