Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Nationalismus und Intoleranz
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 592 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Carlton J. Haye* die nordischen Schweden oder nordischen Schotten, ganz gleich, was Pseudowissenschaftler oder was die Nordischen sagen mögen. Er wird selbst einen „Rassenstolz" zeigen und behaupten, daß sein Volk seither eine ruhmreiche Vergangenheit durchlebt hat und die beneidenswerte Gegenwart ohne die Hilfe einer nennenswerten Menge nordischen Blutes erreicht hat. Und wenn, wie es häufig vorkommt, eine Nationalitat zum Teil nordisch, zum Teil alpin und mittelländisch ist, so sind diese letzteren Elemente nicht geneigt, nordische Hypothesen und nordische Forderungen nach nationaler Differenzierung zu ihrem Schaden freundlich aufzunehmen. In der Tat zeigen säe zusammen nicht die Tendenz, Selbstmord zu begehen oder auszuwandern; sie gehen im Gegenteil gewöhnlich ihren Geschäften nach, füllen das Land an auf ihre Weise und brechen mehr und mehr in die nordische Reinheit ein. Und das reizt die nordischen Nationalisten um so mehr. An vielen Orten, und auf mannigfaltige Weise, haben die Nationalisten ihre Rassenintoleranz entfaltet. Seitdem im Jahre i853—1855 Graf Gobineau sein phantastisches Werk über die Ungleichheit der Menschenrassen veröffentlicht hat, ist der „Nordizismus" unter diesem oder jenem Namen in die Erscheinung getreten. Ein Prophet, wie wohl bekannt ist, wird nirgends weniger geehrt als in seinem eigenen Lande, und bei seinen Landsleuten, den Franzosen, die verkehrterweise gerade die Idee liebgewannen, daß sie nicht im weitgehenden Maße nordisch waren, fand die Theorie des Grafen weit weniger Aufnahme als bei seinen deutschen Nachbarn, die ihm dafür dankbar waren, daß er ihnen eine zureichende Rassengrundlage für die von ihnen selbst anerkannte Überlegenheit verschaffte. Auch viele von den Briten unterlagen allmählich dem Zauber des teutonischen nordischen Mythus; sie deuteten das dunkle Haar und die dunklen Augen bei einigen von ihnen hinweg und erklärten beharrlich, daß bei ihnen selbst im ganzen die „große Rasse" geblüht habe und Früchte getragen. Wohin immer nordische Menschen sich wandten, 6ie nahmen das Evangelium ihrer geweihten Rasse mit sich, nach Australien, Südafrika, Kanada und nach den Vereinigten Staaten, aber während in Britannien die „Nordizisten" annahmen, daß die ganze Bevölkerung so vorwiegend nordisch sei, daß man sie gesetzlich gegen minderwertige Rassen nicht zu schützen brauche, in englischsprechenden Ländern von Übersee forderten sie und sicherten sich Ausnahmegesetzgebung gegen „geringere" Rassen. So erklärt Madison Grant in dem Vorwort zur vierten Ausgabe seiner zeitgemäßen Umarbeitung von des Grafen Gobineau „Nordizismus": „«Das Schwinden der 592