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Der Morgen · 1928-12-01 · Heft 5 (Dezember 1928) · p. 519

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 5 (Dezember 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-12-01
Page
519 (sequence 3)
Language
German
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Das ist ein Irrtum: Neben Zügen hoher Altertümlichkeit zeigt das Arabische eine jüngere Gestaltung, die auf strenger Regelmäßigkeit im Formbau und genauer Bestimmung der syntaktischen Ausdrucksmittel beruht. Die altarabische Poesie zeigt vielfach noch urwüchsigere Zustände. In ihr kommt vor allem die scharfe Beobachtung des Wirklichen, die den Beduinen auszeichnet, zur Geltung. Die bis ins kleinste dringende Schilderung der Umgebung und des äußeren Lebens führt zur Bildung eines unermeßlichen Wortschatzes. -Dagegen erfaßt das Altarabische nicht mit gleicher Schärfe Stimmungen und Gedanken. Nach dieser Seite hin hat erst der Islam die sprachliche Ausdrucksfähigkeit bereichert. Sehr lehrreich ist die Schilderung des Hebräischen, das im Satzbau den westsemitischen Geist am besten darstellt. Nicht so streng systematisch durchgebddet wie das Arabische bewahrt es viele altertümliche Freiheiten. Namentlich ist es in seinem Tempussystem beweglicher. Der Wortschatz zeichnet sich durch Anschauungskraft aus und ist reich an Worten für religiöse und sittliche Begriffe. Das Mittelhebräische, die in der Mischna und den ältesten Midraschen vorliegende Sprache, unterscheidet sich in Formbau und Wortschatz nicht unerheblich vom Althebräischen, eine Wirkung des aramäischen Einflusses. Das im Mittelalter geschriebene Hebräisch gehört zu den verwahrlosesten Sprachen; erst die Blütezeit der jüdischen Literatur in Spanien hat eine durchgreifende Besserung gebracht. In der Aufklärungsliteratur des 18. Jahrhunderts hat man dann auf die Sprache des A.T. zurückgegriffen; daran knüpft die Neubelebung des Hebräischen in der Gegenwart an, die den Ausdrucksbereich des Hebräischen sehi erweitern muß, um dem vielseitigen Bedürfnis des modernen Kulturlebens zu entsprechen. Als Sprachproben erscheinen hier historische und gesetzliche Stücke aus dem A.T., für Mittelhebräisch das Königsgesetz der Mischna (Sanhedrin 2, 2—5), für Neuhebräisch ein Stück aus der Rede von Sir Herbert Samuel zur Einweihung der Universität Jerusalem. Diese beiden Sprachen mögen genügen, um den Charakter des Buches zu veranschaulichen. In gleicher Weise sind behandelt das Akkadische (Babylonisch-Assyrisch), vom Aramäischen das Biblisch-Aramäische, das Syrische und Mandäische, vom Neuaramäischen die Dialekte von Malula und von Urmia, vom südsemitischen Zweige das Äthiopische, Amharische und Tigre und das Mehri. An das Altarabische sind sodann als neuarabische Dialekte angeschlossen die Beduinensprache Zentralarabiens, das Ägyptische, Marokkanische und Maltesische. Der Reichtum dieses bedeutenden Werkes wird es nicht nur Sprachforschern von Beruf wertvoll machen, sondern auch solchen, die das Hebräische aus Beruf oder Liebe treiben. R. Stühe. Hans Driesch: Die sittliche Tat. Ein moralphilosophischer Versuch. Verlag Emmanuel Reinicke, Leipzig 1927. Das System Hans Drieschs rundet sich. In dem vorliegenden Werk hat er entschlossen den Schritt vorwärts in das Gebiet der Philosophia practica getan, das zu beschreiten er bisher immer gewisse Bedenken hatte. Auch jetzt ist er sich dessen bewußt, daß eine Inhaltsethik nicht mehr als Bekenntnis sein kann, nicht aber eine allgemein gültige Lehre, die im System verankert werden kann wie die formale Ethik. Aber dennoch wagt er den Versuch und wendet sich beherzt sehr aktuellen Fragen zu. In - den Prolegomena werden die Voraussetzungen der inhaltlichen Ethik, ihre Beziehungen zur formalen Ethik, phänomenologische und psychologische Erwägungen behandelt. Dabei wird zwischen der Schau der Bedeutung gut (und dem Vermögen dazu), dem guten Willen (und dem Vermögen zu ihm) und der guten Handlung (und dem Vermögen zu ihr) streng unterschieden. Hinzu kommt der beharrliche Wille zum guten Willen im besonderen. Eingehende Untersuchungen über den Wertbegriff schließen sich daran, Erörterungen . über den sittlichen Instinkt, der als Billigung sich geltend macht, und das hypothetisch Metaphysische der Morallehre, das alles S o s e i n an ihr betrifft. Immer erneut wird der Zusammenhang der Morallehre mit der Metaphysik und insbesondere mit der Einstellung zur Freiheitslehre betont. Die besondere Note erhält das Buch durch die Lehre vom Staat. Dagegen treten die sehr beachtenswerten, durch hohe Sittlichkeit ausgezeichneten Vorschriften über Fortpflanzung, Ehe und Geburtenregelung zurück. Driesch ist, wie das ja aus vielen früheren 5X9

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