Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 488 (sequence 16)
- Language
- German
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Fritz Friedlaender: Jüdische Freunde deutscher Dichter im neunzehnten Jahrhundert Freunde die Treue halten müsse, weshalb er ihren gemeinsamen Freund Michael Beer die Sache Heines, weil er eine „wahrhaft produktive Natur"' sei, zu vertreten bittet, jedoch es ergab sich die paradoxe Situation, in welcher Heine, der allzu eifrige Verteidiger der Freundesehre, gewissermaßen in die Rolle eines moralischen Schuldners geriet Übersah demnach Immermann die schwere Schädigung, die der eigentlich unbeteiligte Heine in seinem Ansehen als Dichter und Privatperson erfahren hatte, so war sein gerechter Sinn immerhin vorurteilsfrei genug, um einzusehen, „daß Platen ihn persönlich auf die gemeinste Weise zuerst angefaßt" habe; daher konnte Heine bald durch eine neue, diesmal nicht polemische, sondern positiv helfende Freundestat die Zuneigung Immermanns voll zurückgewinnen. Immermann hatte an Campe sein komisches Heldenepos „Tulifäntchen" zum Verlag gesandt, worauf Heine das Manuskript zur Durchsicht erhielt Bei der Lektüre machte er die Beobachtung, daß die von ihm als „epischer Ko>- libri" gepriesene Dichtung in metrischer Hinsicht sehr verbesserungsbedürftig war; er begnügte sich aber nicht mit dieser kritischen Feststellung, sondern seine Hingabe an das Werk des befreundeten Dichters war so groß, daß er ihm vier eng beschriebene Bogen voll metrischer Änderungsvorschläge zugehen ließ. Dieselben waren vom feinsten Takte und von einer unvergleichlichen Einfühlungsgabe in die Arbeit eines anderen diktiert und trugen, noch rechtzeitig und zum größten Teil verwendet, zur Bereicherung und künstlerischen Abrundung des Gedichtes ungemein viel bei; denn gerade wegen seiner meisterhaften terische Größe anerkannt zu sein, denn als einst Ludolf Wienbarg in seine Ver¬ Beschränkung auf einen kleinen Stoffkre;s war Heine in dem musikalischen Feingefühl für innere Metrik dem Dichter des „Tulifäntchen" weit überlegen, Durch diese selbstlose Liebe und aufopfernde Treue verratende Anteilnahme war Immermann aufs tiefste gerührt und sagte dem Freunde, der sich außerdem der Drucklegung des Werkes energisch annahm, seinen herzlichsten Dank. (Schluß folgt); 488