Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1928)
- Article
- Die Rassenfrage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht
- Date
- 1928-12-01
- Page
- 461 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895481-2899259--03135-2899336- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Rassenf rage in ihrem Verhältnis zu Religion und Recht desto eher werden die Nationen ihre wahre Aufgabe finden, die nicht in der Trennung, sondern in der Verbindung bestehen kann, freilich im Sinne des Goetheschen Wortes: „Willst im Unendlichen dich finden, mußt unterscheiden und dann verbinden", desto mehr wird aber auch die innerlichste Auseinandersetzung auf religiösem Gebiete, der Kampf um die Wahrheit, der edle Wetteifer um die tiefste Erfassung und Begründung des Lebens beginnen, weil dann kein äußerer religiöser und rechtlicher Zwang mehr wie in früheren Zeiten die wahre Auseinandersetzung vergiftet Über allem aber die Liebe: Das bedeutet, daß nun ein neuer und ernster Wille zur Zusammenarbeit entsteht, daß die Auseinandersetzung zur Ineinandersetzung wird und ein neuer Geist ausgegossen wird über alles Fleisch, über die Menschen und ihr Leben und ihre Ordnungen. „Wer Edles tut, der soll mir adlig gelten!", so sagt der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg. Da liegt unser aller Aufgabe. — Es ist die gleiche Frage, die schon Hölderlin an unser deutsches Volk stellt, das er tatenarm und gedankenreich nennt: „Leben die Bücher bald?" Wir, denen das Alte Testament ein heiliges Buch der Religion und des Rechtes ist, fragen: Wird es leben? Die Antwort aber wird sehr wesentlich davon abhängen, ob wir uns aufgerufen wissen zu einem neuen Tun, und ob wir diesem Aufruf Folge leisten. 46t