Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 415 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen von größter Wirkung auf die Stellung der Juden in den Ländern der Zerstreuung und auf die Stellung des Judentums gegenüber den anderen Religionen sein. Wenn auch nur eine Möglichkeit des Gelingens gegeben wäre, so wäre m. E. die ganze Judenheit religiös und menschlich — namentlich bei Erfüllung gewisser Bedingungen — verpflichtet, an der Teillösung mitzuwirken. Ob die Jewish Agency ein geeignetes Instrument hierfür ist, wird sich bald zeigen. Dem Verfasser aber, der durch sein Werk zum Nachdenken über wichtigste Fragen angeregt hat, gebührt aufrichtiger Dank. Julius Blau. Heinr. Frick: Die Religion der Jugend. Verlag Friedr. Bahn, Schwerin 1928. Der bekannte Gießener Theologieprofessor Heinr. Frick geht in seiner Untersuchung über das Verhältnis der Jugend zur Religion nicht so sehr von der heutigen problematischen Situation aus. ' Es kommt ihm vielmehr auf eine grundsätzliche Erörterung dieser schwierigen Frage an. Dabei definiert er .Jugend" in glücklicher Variierung eines Wortes von Joh. Gottfried Herder als die Zwischenperiode zwischen Kindheit und Erwachsenreife, als eine Zeit, in der wir in einer besonders einheitlichen Art „träumen, lieben, beten". Beispielhaft dargelegt wird diese These in einer feinsinnigen Analyse von I b s e n * s „Brand". Da ist zuerst der leidenschaftliche Träumer des „alles oder nichts", dem in Ejnar und Agnes Menschen voll enthusiastischer, jugendlicher Liebe entgegentreten. Agnes entscheidet sich für Brand. Aus Traum und Liebe ist in Überhöhung der beiden Jugendkräfte eine charakteristische jugendliche Religion erwachsen: die' Religion des Willens, das Gebet der Tat. Frick zeigt wie die Jugend unserer Zeit gewöhnlich bei dieser dritten Stufe, der Verklärung der eigenen Willenskraft, stehen bleibt und dies bereits als vollwertige Religion anspricht. Ibsen selbst läßt sein Drama ganz anders enden. Wenn Brand am Schluß seines Weges die Frage zum Himmel emporschreit: Sag mir, Gott, im Todesnahnl Wiegt vor dir auch nicht ein Gran Eines Willens quantum satis —? so soll offenbar nach des Dichters Meinung diese Frage verneint werden. Denn von oben antwortet eine Stimme: „Gott ist deus caritatis". Erst wenn das eigene Träumen und Lieben abgelöst wird von dem Eintauchen in den objektiven Willen des übermächtigen Du, das Gott heißt, ist der tiefste Traum geträumt, ist die stärkste Liebe erfahren, ist das letzte Gebet gesagt: ist „ewige Jugend" uns geworden. Es ist zu bedauern, daß der Verfasser seine vorzüglichen Ausführungen in der oft zu knappen Form eines Vortrags belassen hat. Wir hoffen, daß seine Erkenntnisse uns eines Tages in breiterer Ausführung zugänglich gemacht werden. Wenn auch seine theologischen Formulierungen von der lutherischen Rechtfertigungslehre her bestimmt sind, so treffen seine sachlichen Feststellungen doch durchaus auch auf den jüdischen Jugendkreis zu. Wir empfehlen deshalb seine Schrift Allen, die in der Jugend und mit der Jugend ernsthaft um das Wesen und das Schicksal der Religion ringen. Hugo Hahn- Essen. Helene Christaller: Als Mutter ein Kind war. (Fr. Reinhard A.G., Basel.) Julie Schlosser: Aus dem Leben meiner Mutter. Bd. I. Lilla Rehbinder. Bd. II. Wir beide. (Furche- Verlag. Berlin 1928.) Führende Frauen Europas. 16 Selbstschilderungen, herausgegeben von Elga Kern. (Ernst Reinhardt, München.) Lebensbeschreibungen tragen stets so sehr den Hauch des Persönlichen, daß ihre Lektüre viel unmittelbarer zu uns spricht als die irgendeines anderen Buches. Sie sind meist packender als ein Roman — sie sind ein Stück Leben. Wenn nun diese Biographien von Frauen geschrieben sind, wenn in ihnen von ihrem Wollen und Streben, ihrem Schaffen und Wirken erzählt wird, so sind sie einer Frau besonders nahe und unmittelbar. Wer die früheren Werke von Helene Christaller kennt, der kennt auch ihre vier Kinder. Ernstes und Heiteres aus ihrem Leben ist dort oftmals eingeflochten. Das vorliegende Buch ist Gertrud, der abgeschiedenen Tochter, von der es am meisten zu erzählen weiß, gewidmet. Kaum hatte sie die Augen auf immer geschlossen, da erkranken ihre drei Kinder schwer, und Großmutter Enne, die zu ihnen eilt, kann die unruhigen Geisterchen nur in ihren Betten zurückhalten, indem sie ihnen von Mutter erzählt, als sie 415