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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 414

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-10-01
Page
414 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen E. Eberlin: Les Juifs d'au jourd ' h u i. Paris. Les Editions Rieder. Das Verdienstvolle dieser Arbeit liegt in der gleichsam systematischen Zusammenfassung aller Daten über die soziale Struktur der Judenheit in der Entwicklung, die diese von den Zeiten der nationalen Selbstbestimmung im eigenen Land bis in unsere Tage hinein genommen. Indem sie so den „ewigen Juden" auf seiner Wanderschaft durch die Jahrtausende verfolgt und das Judenschicksal gewissermaßen soziologisch analysiert, gewährt sie die Möglichkeit einer gründlicheren Betrachtung der Judennot und ein besseres Verständnis der verschiedenen Lösungsversuche unserer Tage und ist ferner trefflich geeignet, die Fabel von dem Reichtum der Juden, von ihrem Streben nach Beherrschung der Umwelt und noch manche andere Lügen zu zerstreuen, namentlich in Frankreich und in den Ländern des französischen Kulturkreises. Sie arbeitet nach dieser Richtung mit anderen Schriften des gleichen Verlags, wie denn überhaupt hervorgehoben zu werden verdient, daß in den mchkriegsjahren, ganz im Gegensatz zu der Vorkriegszeit in Frankreich, eine ganze Literatur über Juden und Judentum entstanden ist mit dem Ziel, die Eigenart der Juden und des Judentums den in dieser Beziehung meist ganz ahnungslosen französischen Kreisen zur Kenntnis und zum Verständnis zu bringen. Daß hierdurch auch das Interesse der französischen Juden an Gemeinschaft und Glauben gemehrt wird, ist eine erfreuliche Nebenerscheinung. Charakteristisch für den Lösungsversuch des Verfassers ist der Umstand, daß er ein in Frankreich lebender russischer Jude aus der obersten intellektuellen Schicht ist und zwar einer, den nicht erst die Welle der russischen Revolution von 1917 nach Paris verschlagen, sondern den seine akademischen Studien offenbar schon vor dem "Weltkrieg nach Paris geführt, wo er die französische Kultur in sich aufgenommen — es fällt bei der Lektüre die für einen Ausländer ungewöhnliche Beherrschung der französischen Sprache und Literatur auf — und wo ihm Frankreich ein Adoptiwaterland" hätte werden können, wenn der französische Jude im Durchschnitt weniger „emanzipiert" und mehr jüdisch und wenn der Verfasser nicht eben ein russischer Jude und noch dazu einer mit hohem jüdischen Selbstbewußtsein geblieben wäre. So aber weist er die Erwünschtheit, ja selbst die Möglichkeit einer nationalen Assimilation von Juden, wie sie die westeuropäische Emanzipation erstrebt und im wesentlichen erreicht hat, zurück, obzwar er dem jüdischen Messianismus einen hohen Zukunftswert beimißt. Aber, so sagt er, die Theorie des Messianismus paßt vielleicht für eine kleine Brüdergemeinde oder eine unbedeutende Sekte, nicht jedoch für eine Nation von i5 Millionen Seelen, die selbst bei starker Betonung des Missionsgedankens Anspruch erheben darf auf ein nationales Leben in einem nationalen Zentrum. Erst nach Verwirklichung dieses Anspruchs würden soziale und moralische Erfahrungen, die alten und die neu gewonnenen, ihren Segen für die Menschheit voll auswirken können. Der Verfasser ist demnach ein jüdisch-national und zionistisch gesinnter Jude, der nicht will, daß das Judenschicksal sich in den Ländern der Diaspora erfülle, sondern auf eigenem Boden und im Ursprungsland der Juden, das noch heute Ziel nicht bloß der religiösen Sehnsucht ist. Daß auch der Verfasser nur eine Teillösung des Judenproblems gibt, liegt auf der Hand. Aber wenn auch nur gezeigt werden könnte, daß Juden in „Reinkultur" im Heiligen Land ein „Paradies auf Erden" selbst nur für einen Teil der Judenschaft schaffen könnten, so würde das 414

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