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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Heinrich Heine
Date
1928-10-01
Page
383 (sequence 1)
Language
German
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Heinrich Heine Von Kurt Eckstein Man hat Heine mit einem etwas übertriebenen Ausdruck den „klassischen Orientalen auf dem deutschen Parnaß" genannt Auswahl der Stoffe, Stimmungen und Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks schienen auf das orientalische Element in seinen Dichtungen hinzudeuten. Die Themen und die Art ihrer Behandlung waren jedoch dem zeitgenössischen Schrifttum keineswegs fremd. Lord Byron hatte mit seinen „Hebräischen Melodien" das jüdische Thema aufgenommen. Zu den wesentlichen Merkmalen romantischer Dichtung gehören einerseits leidenschaftliche Gefühlsaufwallungen, andererseits Selbstverspottung und Satire. Tendiert Heines Schaffen nach dieser Richtung, so ist sein Judesein nicht die wirkende Kraft Es begründet höchstenfalls eine gewisse Bereitschaft für sie. Die Intensität der Farbgebung könnte sogar den Schluß zulassen, daß ihm sein Gegenstand nicht nahe lag; denn nahe Verwandtschaft erfaßt die Dinge künstlerisch einfacher, schlichter. Wesentliche Elemente in Heines Schaffen entstammen der Romantik. Heine hat sie umgebildet, und an dieser Umbildung ist, neben individuellen Eigenschaften, wie Verstand und Dichterkraft, auch jüdische Wesensart beteiligt * * * Die Romantik ist nur unter der Voraussetzung der abendländisch-christlichen Kultur denkbar. Den Grund der antiken Lebensform bildete eine unmittelbare, unbefangene Hingabe an das Dasein. Allmählich zerspaltet ein Riß dieses verhältnismäßig unkomplizierte Weltbild. Im Christentum vollendet sich die Abwendung von den alten Anschauungen. Die Stellung des Menschen zur Natur und zum Natürlichen verändert sich völlig. Er hat zu seinen Sinnen nicht mehr das naive Zutrauen. Er fühlt sich seiner Kraft nicht sicher. Die Natur scheint ihm feindlich gegenüberzustehen. Er wird mißtrauisch und 383

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