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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 361

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Warum ich Jude bin
Date
1928-10-01
Page
361 (sequence 8)
Language
German
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Warum ich Jude bin und in der Natur die lausend uneinigen Gewalten dieser uneinigen Götter zu sehen glaubte, haben die alten Propheten Israels die großartige Eingebung des Einen Gottes gehabt Und die Wissenschaft entdeckt heute von neuem diese Einheit des Universums und zeigt mir in der Struktur des Atoms und in der Struktur des Sonnensystems einen Plan, einen Gedanken! * * * Ich lese im Talmud, daß Gott den Menschen geschaffen hat und daß „der Mensch frei ist"; und im Sohar lese ich, daß „das Wort des Menschen neue Himmel schafft". Schöpfung, Freiheit: zwei dem griechischen Denken fremde Ideen, die die Substanz des jüdischen Denkens sind. Gott, Schöpfer und frei, schafft den Menschen nach seinem Bilde; und der Mensch, nach dem Bilde des Schöpfers frei geschaffen, schafft seinerseits in Freiheit! * * * Gott ist, nach Aussage dieser Juden, zugleich innerhalb der Welt und außerhalb der Welt Transzendent und außerhalb der Welt ist er dem menschlichen Denken unerreichbar. Immanent und innerhalb der Welt ist er uns ganz nahe, ist er in uns. Und soweit diese göttliche Gegenwart, diese Schechinah, wie sie sie nennen, in uns ist, findet sie sich dem- Wirken des menschlichen Gewissens gleichsam verbuniden. Die göttliche Einheit, die sich, in die Vielfältigkeit der Geschöpfe ausstrahlend, bricht und die sich in der Teilung der Menschen teilt, kann durch das Gebet und die Gerechtigkeit, welche die Menschen einen, wieder hergestellt werden. Ein Schriftgelehrter des Talmud erzählt, daß Gottes Gegenwart in den ersten Tagen hienieden weilte;-die Sünde Adams ließ sie in den ersten Himmel aufsteigen, jene Kains in den zweiten Himmel; mit Enoschs Generation, den Generationen der Sintflut, des Turmbaus, Sodoms und Mizraims stieg sie vom Himmel zu Himmel bis in den siebenten Himmel empor. Aber Abraham, Isaak, Jakob, Levi, Kehat, Amram ließen sie durch ihre Tugenden von Himmel zu Himmel bis zum ersten Himmel herabsteigen; und mit Moses kam sie auf die Erde zurück. Im Sohar heißt es, daß die Engel im Himmel singen, wenn der Mensch hienieden Gott preist; daß die Hymnen der Engel verstummen, wenn er hienieden sündigt; daß er die Einheit Gottes in allen Welten verwirklicht, wenn er sie hienieden verkündet 361

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