Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 309 (sequence 3)
- Language
- German
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Anzeigen men, deren Wert durch die vergleichende Religionswissenschaft nicht erniedrigt sondern erhöht und von kleinlicher Enge befreit wird- — Julius Goldstein. Hans Brandt, Polizeipräsident: „Der Staat und die Juden". Verlag Königsberger Hartungsche Zeitung. Königsberg 1928. Es ist eine eigenartige Tatsache, daß eine so umfangreiche und reizvolle Materie, wie sie der staatliche Kampf gegen das Judentum darstellt, bisher so wenig Beachtung gefunden hat. Daher ist es auch nicht zu verwundern, daß die wenigen Bearbeiter der Materie, fast ausnahmslos von einem ganz subjektiven Standpunkt geleitet, an die Ausarbeitung herangehen, oder wenn einmal mit dem guten Willen zur Objektivität, eine erschreckende Unkenntnis über die grundlegenden Fragen, wie sie sich aus der intensiven Beschäftigung mit dem „Judenproblem" ergeben, an den Tag legen. Eine Ausnahme bildet das obige Büchlein. Es macht dem Verfasser alle Ehre. Es zeigt, daß der Verfasser nicht nur die Nöte der Gegenwart kennt, daß er es auch vortrefflich versteht, sich in die Kämpfe der Vergangenheit zu versetzen. Nach Sammlung eines ziemlich umfangreichen Materials versucht Brandt . das Verhältnis zwischen Preußischem Staat und Judentum im letzten Jahrhundert einer objektiven Beurteilung zu unterziehen. Die Zeit vor dem Edikt vom 11. III. 1812, jener Zeit, da die Regierung fast vollständig in den Händen selbstherrlicher Beamten lag, ist nur soweit berücksichtigt, als sie zum Verständnis des staatlichen Antisemitismus späterer Jahrzehnte notwendig war. Über die Entstehung des genannten Ediktes, seinen Geltungsbereich, weiß der Verfasser manch Interessantes zu sagen. Bei genauer Durchforschung des historischen Materials zeigt sich stets die betrübende Tatsache, daß man gleiche Pflichten und gleiche bürgerliche Rechte mit den christlichen Untertanen auf dem Papier zusicherte, aber in Wirklichkeit sie stets doch unter ein erniedrigendes Ausnahmegesetz stellte. In Frankfurt z. B. schuf man den sog. israelitischen Bürger, der sich von den anderen Bürgern dadurch unterschied, daß ihm die politischen Rechte fehlten und daß innerhalb der gesamten jüdischen Gemeinschaft jährlich nur i5 Ehen geschlossen werden durften. So zeigt der Verfasser, wie in fast allen Willensäußerungen der preußischen Könige und ihrer Minister das antisemitische Vorurteil als ein bestimmender Faktor zu finden ist. J. Heymann. Das Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Erscheinung. So lautet eine im Verlag von Leopold Klotz, Gotha erschienene Schrift des evangelischen Stadtpfarrers E. Lamparter, mit der sich dieser an die breiten Schichten der Gebildeten wendet, in der Absicht, einerseits die antisemitischen Grundgedanken scharf unter die Lupe zu nehmen und durch sachliche Darstellung der Tatsachen ihrer Berechtigung zu entkleiden, anderseits aber auch, um etwas zur Sühne des an dem Judentum seit sieben Jahrhunderten auf deutschem Boden begangenen Unrechts beizutragen. In sieben Kapiteln wird hier nicht etwa eine Geschichte des Judentums behandelt, sondern überall der Kernpunkt der Fragestellung herausgeschält, welche Werte das Judentum im Verlauf von drei Jahrtausenden der Menschheit in kultureller und religiöser Hinsicht vermittelt hat. Als erstes finden wir die Rassenf rage und ihre Stellung zum Judentum, gleichzeitig im Umriß und Aufriß eine knappe und eindringende Bekämpfung der antisemitischen Rassentheorien eines Gobineau, Chamberlain, Günther. Lamparter versteht unter Rasse „die Eigenart, welche ein Stamm unter dem Einfluß der geographischen Verhältnisse, vor allem des Klimas seines Wohnsitzes und unter der erzieherischen Macht seiner Geschichte genommen hat". In scharfen Worten geißelt er die vagen Ideologien des reinen „Ariertums" und gelangt zu der Feststellung „Rassenreinheit des Germanentums ist ein Luftgespinst". Das zweite Kapitel wird der Entstehung des Judentums, seiner Stellung in Gegenwart und Zukunft gewidmet. Wohl vertraut mit den historischen Forschungsergebnissen zeigt hier Lamparter, daß die Juden trotz aller Stürme, Kreuzungen und Vermischungen eine gleichbleibende Art sich bewahrt oder geschaffen haben; es ist somit unberechtigt, einen im Blute liegenden Nomadismus bei den Juden herauszukonstruieren, weil die Erscheinungen jüdischen Wanderlebens in äußeren Schicksalen gesucht werden müssen. In diesem Zusammenhang findet auch das vielerörterte Problem, wie die Judenfrage gelöst werden könne, eine gründliche Erörterung. Vor allen Dingen bietet die Be- 21* 309