Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 308 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Anzeigen Wirkung des Heiligen gehören zusammen." (p. 21.) — In drei Abschnitten wird das Thema des Buches behandelt. Der erste erörtert die Gleichartigkeit der Stadien, die jede geprägte Religion durchmacht. Stadien bezeichnen das Gemeinsame quer durch die verschiedenen Religionen hindurch. Hier werden die Parallelen aufgezeigt die sich in allen Religionen finden: Die Konstanz der Ausdrucksformen, die Berufenen und die Berufsfrommen, die Reformationen, die Phänomene der Ausbreitung und des Unterganges. Der zweite Abschnitt behandelt den Habitus der Religionen, d. h. der durch die verschiedenen Stadien hindurch sich offenbarende besondere und immer gleich bleibende Charakter einer positiven Religion. Der Ton, der einmal angeschlagen ist, klingt fort und fort. Der dritte Abschnitt schildert gewisse typologische Urphänomene, d.h. Phänomene, die für die Religion überhaupt etwas Konstitutives und Exemplarisches haben. Als solche Urphänomene bezeichnet Frick den katholisch-protestantischen Zwiespalt, der sich ähnlich, wie in Europa, auch in Indien und Ostasien vorfindet. Ferner die Polarität von mystischer und aktiv gläubiger Frömmigkeit. Und schließlich die Alternative aller Religionen, ihre Erkenntnisse entweder vermittelst räumlicher oder vermittelst zeitlicher Vorstellungen zu symbolisieren — eine Alternative, die ihre deutlichste Ausprägung in der zeithaften Symbolik des Protestantismus und der raumhaften Symbolik des Katholizismus gefunden hat. Buddhismus, Islam und Christentum bieten dem Verfasser das Material für seine Beobachtungen und Feststellungen. Das Judentum als eine eigenwertige Religion findet dabei nicht die Berücksichtigung, die es nach seiner unversieglichen Kraft und weltgeschichtlichen Bedeutung verdient. Ich sage das hier zwar ohne jeden tadelnden Nebensinn, aber doch mit dem Ausdruck des wissenschaftlichen Bedauerns; denn Frick hätte an einer zeitlich so weit gespannten Religionsentwicklung ein für seine Typologie fruchtbares Material finden können. Freilich fehlt es an jüdischen Vorarbeiten auf diesem Gebiet. Was Franz Rosenzweig in diesem Heft über jüdische Bibelwissenschaft festgestellt hat, gilt in noch höherem Maße für die jüdische Religionswissenschaft. Wir sind auch hier weit zurückgeblieben gegenüber den Leistungen protestantischer und katholischer Forscher. So kommt es, daß die mehr und mehr vordringende Religionswissenschaft das Judentum nicht als eine dem Islam, Buddhismus und Christentum gleichwertige Weltreligion behandelt. Man entnimmt dem Alten Testament die fundamentalen Tatsächlichkeiten zur Erkenntnis des religiösen Phänomens ohne die Verpflichtung zu fühlen, die herausgearbeiteten religionswissenschaftlichen Kategorien auch an dem Judentum als einer fast 3ooojährigen religiösen Lebensgestaitung zu erweisen. Höchstens versucht man, die Zähigkeit der jüdischen Religion aus den neuen religionswissenschaftlichen Erkenntnissen begreiflich zu machen. So hat es Frick in einer bemerkenswerten Stelle seiner Untersuchungen getan. Er erörtert das Phänomen der Reformationen, das immer mit einer Reinterpretation der Tradition verbunden ist. Von der geprägten Religion aus kann sich aufs Neue eine Entdeckung des Heiligen vollziehen, sofern nur die Tradition den Durchblick auf ihren gestifteten Ursprung erlaubt. Und dann fährt Frick fort: „Vielleicht gibt uns dies einen Wink, um die Zähigkeit des Judentums als Religion zu begreifen. Eine so alte religiöse Tradition, die von Jahrhunderte alten Schulen der Schriftgelehrsamkeit immer neu interpretiert wird, bekommt eben dadurch in den Augen ihrer Bekenner eine unerhörte Symbolkraft. Das Zurückgehen auf das Allerälteste enthält eine Spannung, die ausreichen kann, um auf seine ewige Dauer in Zukunft zu hoffen. Je aufmerksamer man das Verhältnis von Geist und Form in der Religion studiert, desto weiter kommt man davon ab, zu meinen, das Alte sei um seines Alters willen dem Tode näher als das Neue. Ganz im Gegenteil: Je älter die Tradition, desto leichter bietet sie sich dem prophetischen Geist als Rückhalt für seinen Protest an." (p. 5o.) — Die vorangehenden Bemerkungen sollen, wie schon gesagt, Wert und Bedeutung der Frickschen Arbeit in keiner Weise herabsetzen. Sie gelten weniger dem protestantischen Theologen als der jüdischen Gemeinschaft. Diese soll auf Forschungsaufgaben hingewiesen werden, deren Vernachlässigung den einzigen Sinn der jüdischen Existenz, die Religion, beeinträchtigen können. Die vergleichende Religionswissenschaft, deren vielversprechende Forschungen Frick in dieser Schrift so meisterhaft dargelegt hat, kann dem religiösen Bewußtsein auch des gläubigen Juden, Stütze und Kraft geben. Alles Lebendige besteht in Sonderfor- 308