Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Neue Schriften [Rezension]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 303 (sequence 3)
- Language
- German
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Anzeigen Darstellung der sittlichen Welt der heiligen Schriften gewidmet, der vorliegende 2. Teil behandelt die Zeit vom Abschluß des Kanons bis Saadia. Sein Wert besteht vor allem darin, daß es die — ach so sehr entschwundene — Kenntnis der Quellen vermittelt. Was in Talmud und Midrasch zu den Themen „Gottesidee", „Der Mensch und sein Gott", „Die Sendung Israels", „Der Weg Israels zu Gott", „Von Mensch zu Mensch", „Der Lohn der Frömmigkeit und die Strafe der Sünde" gesagt ist, ist mit Fleiß und Sachkenntnis vereint und gut übersetzt. Der Zusammenstellung der Zitate geht jeweils ein einleitende Gesamtdarstellung des Themas durch den Verfasser voraus. Auch wenn man nicht mit ihm übereinstimmt, muß man den Ernst und die tiefe Religiosität, die die Darstellung durchzieht, rühmen. Man wird z. B. starke Einwendungen erheben müssen gegen Ziegler's gefährliche These, daß das Wort vom persönlichen Gott nur bedeuten könne die Beziehung Gottes zu dem einzelnen Menschen und seiner Person, daß jede Erfassung Gottes als Person in Anthropomorphismus verfallen müßte und also untragbar sei. Demgegenüber darf man sagen: Kennzeichen der Persönlichkeit ist der Wille und die Zielsetzung, und Gott als Wollenden und Zielsetzenden zu erkennen, das eben ist der Sinn des Wortes, vom „persönlichen Gott". Das Buch verdient weiteste Verbreitung und es ist wohl geeignet, jeden zum Denken anzuregen und Wissen vom Judentum zu verbreiten. Die tschechoslowakische Großloge des Ordens Bne Brith hat sich mit der Herausgabe des Buches ein Verdienst erworben. Der Verlebendigung des Verhältnisses von Golt und Mensch will ein Buch von Dr, Posner1) über die Psalmen dienen. Es will zeigen, wie bestimmte Inhalte des religiösen Bewußtseins in den Psalmen zum klingenden Ausdruck kommen. Die Durchführung des Themas ist aller Anerkennung wert, aber vielleicht wäre das Ganze wirksamer, wenn der Ton des Buches weniger lehrhaft und weniger analysierend wäre. Ist es überhaupt gerechtfertigt, die Psalmen als eine Einheit zu fassen? Die Schwäche dieser Auffassung tritt in dem Kapitel über die Opfer zutage. Weil es auch Psalmverse gibt, die vom Opfer bejahend reden, wird den Psalmen, die das Opfer ablehnen, der Sinn gegeben, als wendeten sie sich nur gegen die Auffassung, daß das Opfern von anderen Pflichten nicht entbinde. Warum nicht anerkennen, wie der Wortsinn es gebietet, daß manche Psalmen das Opfer völlig verwerfen. Ihr Wert wird dadurch nicht beeinträchtigt. Eine Untersuchung über die halachischen Midraschim2) legt Zeugnis ab von dem in der Akademie lebendigen Forscheigeist. Unter den halachischen Midraschim versteht man die Mechilta, Sifra und Sifre benannten Kommentare zum 2. bis 5. Buch Mose, die, aus der Werkstatt der ältesten Lehrhäuser hervorgegangen, aus der Exegese der Bibel das Recht schöpfen und feststellen. In streng wissenschaftlicher Methode wird die Eigenart der einzelnen Werke, ihr Verhältnis zueinander und die Beziehung des Talmuds zu ihnen untersucht und dargelegt. Besonders überraschend ist die Beweisführung, daß der Talmud die halachischen Midraschim in der uns vorliegenden Redaktion und Sammlung nicht kannten. Der Spezialforschung auf dem Gebiete der jüdischen Mystik dient eine von Dr. Scholen) herausgegebene Bibliographie der K a b b a 1 a h.3) Sie behandelt die Schriften der jüdischen Mystik von Reuchlin bis zur Gegenwart, nur die gedruckt vorliegenden, und gibt eine Bibliographie des Sohar und seiner Kommentare. Bedenkt man, daß i3o2 Werke benannt, bibliographische Angaben für sie gemacht und zum Teil kurze Charakteristiken gegeben sind, so überkommt einem ein Gefühl des Staunens über den Umfang dieser Literatur und Bewunderung vor dem Wissen und dem Fleiß des Autors. Für jeden, der 1) Dr. A. Posner, Die Psalmen. C. A. Schwetschke Sohn, Berlin 102S. io3 S., geb. 3.5o m. 2) Chanoch Albesk, Untersuchungen über die halachischen Midraschim. Akademie-Verlag, Berlin 1927. i63 S., brosch. 5.— PM, geb. 6.— M. 3) Dr. Gerhard Scholem, Bibliographie Kabbalistica. W. Drugulin, Leipzig 1927. 23o S., brosch. 19.— TM, geb. 21.—?Jtl. 303