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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 292

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Zum ersten Band der Encyclopaedia Judaica [Rezension]
Date
1928-08-01
Page
292 (sequence 4)
Language
German
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Franz Rosenzweig: Zum ersten Band der Encyclopaedia Judaica Setzung des alten christlichdogmatischen Bestrebens, alles Jüdische zu einer Vorgeschichte zu machen, fast allein interessiert, die Nach-Frage nach der Absicht des uns vorliegenden Texts nicht zu vergessen. Denn der Text wie er uns vorliegt hat eine Absicht; er ist nicht bloß, wofür sich die protestantische Bibelwissenschaft allein interessiert, geschrieben, sondern er will auch gelesen und — verstanden werden. Verstanden im Sinne der abschließenden Redaktion, nicht im Sinne der etwa einzeln herauszuschälenden Quellen. So wie der Faust gelesen werden will wie er dasteht, und nicht wie ihn die Goethephilologie in seine biographischen Schichten und geisteshistorischen Zuflüsse zu trennen imstande ist. Diese neue Bibelwissenschaft, die sich vor keinem Problem der kritischen Moderne die Augen zuhält, aber alle Probleme, die heut schon aufgeworfenen sowohl wie die erst ihr überhaupt sichtbaren, vom letzten Redaktor oder anders gesagt: vom ersten Leser her aufrollt, wird dann ganz von selber auch den Anschluß an die jüdische Bibelwissenschaft der Vergangenheit wiederfinden, die ja, wenn auch in unbewußtem Dogmatismus, von ähnlichem Gesichtspunkt ausging. Nur Anschluß, nicht mehr!! nicht etwa Gefolgschaft. Keine wissenschaftliche Möglichkeit bleibt ihr fern. Aber so weit zurück in die Vergangenheit sie ihren Scheinwerfer richtet, — nie vergißt sie, daß sie selber, sie die Sehende, die Enkelin und Erbin jener Vergangenheit ist. Und dann wird vielleicht einmal eine zukünftige Enzyklopädie sich jene ängstliche Scheidung zwischen dem, was in der Bibel steht, und dem, was unsre Alten gesagt haben, und dem, was die moderne Wissenschaft sagt, sparen können! 292

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