Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Jüdische Jugendbewegung
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Holzer Jahrhunderts vorbereitet war, um die Jahrhundertwende die Jugendbewegung entstand; wie in jenem bedeutungslosen, zufälligen, preußischen Provinzstädtchen der Wandervogel aufbrach und seine Fittiche in schnellem Fluge über das ganze Reich breitete, wie diese jungen Menschen sich auflehnten gegen ein Elternhaus, das ihnen in bourgeoisem Sattsein gegenüberstand, gegen eine Schule, die zum Erziehungsbetrieb herabgesunken war, gegen eine Mode, die unhygienisch und töricht geworden war, gegen eine Kultur, die das Kennzeichen der Dekadenz an der Stirn trug. Und wie dann die Bewegung sich in zahllose Gruppen und Grüppchen spaltete, damit sich selbst ihrer Kraft und ihrer Zukunft beraubend, wie aber aus dem wilden Drängen und der zehrenden Sehnsucht der jugendlichen Menschen heraus ein starker Einfluß auf die deutsche Volksgesamtheit ausgeübt wurde; wie Elternhaus und Schule und Mode sich wandelten in ihrem Verhältnis zur Jugend. Das alles sind Dinge, die fast schon zu selbstverständlich sind, um immer wieder betont zu werden. Und auch das weiß man, daß die Bewegung sich zerlief, weil sie in dem Augenblick versagte, als es sich um das Hineinwachsen in das Volksganze handelte. Auch die jüdische Jugendbewegung starb nach 15jährigem Bestehen. Aus derselben Situation entstanden, an denselben Riffen gestrandet — ist sie ein Beweis mehr für jene engverbundene Schicksalsgemeinschaft, die den deutschen Juden an den michtjüdischen Deutschen schmiedet — man nenne es „Assimilation", wenn's beliebt! Das einmal soll im folgenden gezeigt werden. Dann aber sollen diese Fehlerquellen aufgedeckt werden, damit eine neue Jugend daraus lerne, sie zu meiden. I. Ursprung und Entwicklung In den zwanziger bis vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland das evangelische und katholische Jungmännerwerk und die Jungfrauenvereine. Weil sich eine Kluft auftat zwischen jenen, die die Träger der Kirche waren und jenen, die es binnen kurzem werden sollten, wurden diese Vereinigungen gebildet, die, unter der Leitung von Geistlichen hauptsächlich, eine religiös-zuverlässige Jugend heraufführen sollten. Zwei Menschenalter reichten hin, um im deutschen Judentum dieselben Gegensätze und Zwiespälte erwachsen zu lassen. Und so wird im Anfang der neunziger Jahre in den Kreisen der Loge U. 0. B. B. bereits der Gedanke diskutiert, jüdische „Jünglingsvereine" zu gründen. Der Gedanke wird bald zur Tat. 1894 wird von 280