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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 262

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Kritische Bemerkungen zur Rassenhygiene
Date
1928-08-01
Page
262 (sequence 8)
Language
German
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Alfred Marx des sozialen Aufsteigens als auch die Natur der menschlichen Talente. Gäbe es ein Aufsteigen der Talente im Sinne der Rassenhygiene und ein damit notwendig verbundenes Ärmerwerden der unteren Schichten an Talenten, so würden die Völker im Verlauf der Jahrtausende in ihren unteren Schichten längst völlig verblödet sein. Und würden die oberen Schichten nur für den nötigen oder reichlichen Nachwuchs sorgen, dann gäbe es in diesen Schichten längst nur hochbegabte Wesen oder Genies. Eine solche Auffassung vom Talent und vom Bau der Gesellschaft widerlegt sich von selbst. Das Beispiel, das uns zeigen soll, wie Rassefragen in der Rassenhygiene behandelt werden, entnehmen wir der amerikanischen Literatur. Im Jahre 1916 erschien ein Buch von Madison Grant, das den Titel trug: „The passing of the great race" (Der Untergang der großen Rasse), das der Propagierung des Gedankens der EinwanderungsbeschränkuAg diente und, wie bekannt ist, nicht ohne praktische Wirkung geblieben ist. „Unser Geschlecht muß das stolze Wort unserer Väter energisch zurückweisen", so sagte er, „daß sie keinen Unterschied der Rasse des Glaubens oder der Farbe kennen. Sonst muß der einheimische Amerikaner im Buch der Geschichte eine neue Seite aufschlagen und schreiben: Amerikas Ende." — Die überwiegende Einwanderung von Slaven, Juden und Romanen empfand der „echte" Amerikaner, der Yankee von vorwiegend nordischer Rasse, als minderwertigen Zuwachs, den man mit allen Mitteln bekämpfen müsse, zumal da die Fortpflanzungsziffer der Einwanderer wesentlich höher ist als die der Einheimischen. — Wer glaubt, daß der Rückgang der Yankeebevölkerung das Ende Amerikas bedeutet? Ähnliche Gedanken von der „unersetzlichen Bedeutung der nordischen Rasse für die europäische Kultur und der drohenden Gefahr ihres Aussterbens" (Lenz) finden sich aber auch in unserer deutschen rassenhygienischen Literatur. Die Behauptung, daß der nordische Mensch der wertvollste im europäischen Rassengemisch sei, kann man heutzutage nicht selten hören, und ich wäre gern bereit, sie zu glauben, wenn sie bewiesen wäre; denn ich bin keiner der Menschen, welche die Rasse, der sie angehören, für die wertvollste zu halten geneigt sind; ich hätte sogar den Mut Otto Weiningers, den Sinn meiner geistigen Existenz zu verneinen; aber vorerst erscheint mir auch diese von einem Teil der Rassenhygieniker übernommene Auffassung zu den Gedanken zu gehören, die weniger objektiven Tatsachen als politischen Tendenzen entspringen. Ob die Menschen westischer, dinarischer und ostischer Rasse soviel 262

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