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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Neue Veröffentlichungen zur jüdischen Religionsgeschichte [Rezension]
Date
1928-06-01
Page
201 (sequence 4)
Language
German
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Neue Veröffentlichungen zur jüdischen Religionsgeschichte vidueller Frömmigkeit und stellen dadurch dem Religionshistoriker oft schwierige Probleme. Nur selten gelingt es, mit Sicherheit den Kreis zu bestimmen, aus welchem sie hervorgegangen sind. Ganz wie bei den Apokryphen1) ist ein Teil der Pseudepigraphen ursprünglich hebräisch gewesen, aber im Original verloren gegangen und nur in Übersetzungen überliefert, während ein anderer Teil — es sind wohl ausschließlich in Ägypten verfaßte Schriften — schon im Original griechisch war, vielfach aber auch nur in Übersetzungen auf uns kam. So ist nicht nur die sprachliche Erklärung dieses Schrifttums ungewöhnlich erschwert, sondern es ist oft auch dem sachlichen Verständnis eine enge Grenze gezogen. ^,Nur den Wenigsten sind diese Schriften bekannt." Diese Feststellung des Prospektes trifft, wie ich ausdrücklich betonen möchte, ganz besonders auch auf jüdische Kreise zu. Doch sei rühmend hervorgehoben, daß gerade im „Morgen" eines der interessantesten Werke der pseudepigraphischen Literatur von berufener Seite eine eingehende Würdigung erfuhr.2) Wenn es meistens schon schwer ist, den Ursprung dieser merkwürdigen Schriften zu bestimmen, so ist es geradezu unmöglich, heule noch zu ermitteln, wie weit und in welchen Kreisen sie zu ihrer Zeit verbreitet waren und wie tiefgreifend ihr Einfluß auf die Anschauung ces Volkes war. Sie sind uns nämlich ausnahmlos nur durch die Kirche überliefert, die sie aus verschiedenen Gründen für erhaltenswert hielt und nicht selten auch im christlichen Sinne interpolierte. Ein indirektes Zeugnis für ihre geringe Verbreitung bei den religiösen Führern des Judentums nach der Katastrophe des Jahres 70 n. Chr. ist die Tatsache, daß in den rabbinischen Schriften von den meisten nur schwache Spuren nachweisbar sind. Rießlers Übersetzung ist, wie zahlreiche Stichproben ergaben, sorgfältig gearbeitet, wenn auch z. B. in den Sprüchen der Väter nicht ganz frei von Irrtümern. In sprachlicher Beziehung ist sie als wohlgelungen zu bezeichnen, was in Anbetracht des hohen literarischen Wertes der meisten hier mitgeteilten Texte besonders erfreulich ist. Dankenswert sind auch die an den Schluß des Bandes verwiesenen Anmerkungen, deren Benutzung dadurch allerdings etwas unbequem ist. So kann Verfasser nur wünschen, daß die hier gebotene Gelegenheit zum Eindringen in ein fast verschollenes Gebiet der jüdischen Geislesgeschichtc von recht vielen benützt werde. Die darauf verwandte Mühe trägt ihren Lohn in sich. Denn der Leser gewinnt dadurch eine Vorstellung von dem Reichtum an Formen und Ideen, die im religiösen Schrifttum der damaligen Juden anzutreffen waren, wird aber gleichzeitig auch als eine historische Notwendigkeit erkennen, daß das strenge rabbinische Judentum, um noch wertvolleres vor Untergang zu bewahren, all diese oft tiefen und schönen Schriften entschlossen von sich wies. x) Für jüdische Leser sei bemerkt, daß die Apokryphen, die in der hebräischen Bibel fehlen und nur in der Septuaginte erhalten sind, dadurch auch Bestandteile der christlichen Bibel geworden sind und daher' keine Aufnahme in die vorliegende Sammlung finden konnten, da diese sich ja auf „Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel" beschränkt. 3) II., 483ff.: Violet, Die Esra-Apokalypse. 201

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