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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 183

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Soll die jüdische Jugend Bibellektüre treiben?
Date
1928-06-01
Page
183 (sequence 1)
Language
German
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Soll die jüdische Jugend Bibellektüre treiben? Von Hans Löwenberg Die folgenden Ausführungen sind zu bewerten als ein Symptom der religiösen Krise heutiger Jugend. D.H. Die Frage erscheint sinnlos: selbstverständlich soll sich die jüdische Jugend mit dem ureigensten Buch des Judentums beschäftigen. Bildet die Bibellektüre doch von jeher einen wichtigen Teil des Religionsunterrichts. Und dennoch ist die Frage berechtigt. Daß die Bibellektüre in der Schule betrieben wird, beweist für die Beschäftigung der gesamten jüdischen Jugend mit ihr noch gar nichts. Es ist dabei zu bedenken, daß ein nicht geringer Teil der jüdischen Jugend einen mangelhaften oder gar überhaupt keinen Religionsunterricht genießt; daß ferner die Zeit, die der Bibellektüre im gesamten Religionsunterricht zur Verfügung steht, sehr klein ist im Verhältnis zu der Zeit, die die biblische und nachbiblische Geschichte und die Religionslehre bei größter zeitlicher Beschränktheit des Religionsunterrichtes überhaupt in Anspruch nehmen. Aber selbst wo das nicht der Fall ist, darf angesichts der verschiedenen Anteilnahme und Aufgeschlossenheit der Schüler und der Behandlungsweise im Unterricht eine gründliche Kenntnis der Bibel noch nicht vorausgesetzt werden. "Die Gründe dafür sollen weiter unten besprochen werden; hier interessiert nur die Tatsache und ihre Folge: wem der Religionsunterricht nicht paßt, der kann sich — wie bekannt — vom i4- Lebensjahr ab davon dispensieren lassen. Bleibt noch der Unterricht der Religionsschulen, der infolge geringer Stundenzahl und nicht allzu großer Beteiligung auch nicht die Bibel in die Massen der jüdischen Jugend hineinträgt. — Damit soll die Behandlung der Bibel im Schulunterricht nicht als ein zu vernachlässigender Posten hingestellt werden. Es soll damit auch nichts über den Wert oder Unwert des Unterrichtes gesagt werden; er ist zwar durchaus kein unwesentlicher, aber doch im großen Ganzen des Problems ein verhältnismäßig geringer Faktor. Immerhin: es ergibt sich daraus die Forderung, auch außerhalb der Schule, und gerade dort, sich mit der Bibel zu beschäftigen. Von den Gesichtspunkten, die bei einer solchen Beschäftigung mit der Bibel eine Rolle spielen, soll hier die Rede sein. L Wenn wir hier von „Jugend" sprechen, so handelt es sich um die Menschen zwischen 12 und 20 Jahren, also um das 183

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