Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Von der Beschneidung
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Beschneidung loren gegangen ist Dann aber kommt es darauf an, daß diese Jaden sich wieder der Bedeutung der Beschneidung und der damit verbundenen sittlichen Verpflichtung bewußt werden, wie es genau ebenso bei uns Christen, bei denen doch auch ungezählte religiös entwurzelt und dem Geist des Christentums entfremdet sind, darauf ankommt, daß wir uns wieder der hohen und heiligen Bedeutung der christlichen Sakramente bewußt werden, und über alle intellektuelle Einstellung zu diesen Sakramenten und alle negative Kritik an ihnen hinweg ihren tief-symbolischen sittlich verpflichtenden Sinn erfassen, da in ihnen als silberne Schale die goldenen Aepfel des Wesens des Christentums aufleuchten. Also aber werden Juden und Christen aufschauen zu demselben einen und alleinigen Gott, dem Güte und Treue, Liebe und Gerechtigkeit, Frommsein und Ehrfurcht lieb sind, und der Wohlgefallen hat an einem demütigen und zerschlagenen Herzen, einander näher kommen und lernen einander besser zu verstehen, so daß die schamlose und widerchristliche antisemitische Hetze aufhört Und aus dem Geiste dieses wechselseitigen Verstehens heraus erinnere ich noch einmal an jenen am Anfang angeführten christlichen Choral zum Fest der Beschneidung Christi, aus dem ich hier zum Schluß die weiteren Verse anführe: Doch, wie muß dies Beschneiden Im Geist, o Mensch gescheh'n? Du mußt die Sünde meiden, wenn du willst Jesum. sehn .... Beschneidet eure Herzen und fallet Gott zu Fuß In wahrer Reu und Schmerzen .... In diesem Gebot der Beschneidung des Herzens begegnen sich Juden und Christen, wie sie denn beide in gleicher Weise mit dem Bußgebet Davids, da er „zur Bathseba war eingegangen", im Kampf mit den Lüsten und Begierden des Fleisches beten: Schaff in mir Gott ein reines Herz, Und gib mir einen neuen, gewissen Geist, Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, Und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. x) Vergl. hierzu ebenso die Schriften von Martin Buber, insbesondere seine Rede „Der heilige Weg", wo er Jesum den „zentralen Juden" nennt. (S. 4o. Frankfurt a.M. 1920.) Ferner auch das Werk von Const. Brunner, „Der Judenhaß und die Juden", S. 345ff.: „Rede der Juden: Wir wollen ihn (— Jesum Christum —) zurück." in