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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Von der Beschneidung
Date
1928-06-01
Page
109 (sequence 1)
Language
German
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Von der Beschneidung Von Raimund Eberhard In seiner italienischen Reise kommt Goethe u. a. auf das in Bologna hängende Gemälde von Guerzino „Die Beschneidung Christi" zu sprechen. Er schreibt: „Ich verzieh den unleidlichen Gegenstand und freute mich an der Ausführung." Goethe spricht also von dem Vorgang der Beschneidung mit einem gewissen Widerwillen, und so stehen zahllose Nichtjuden diesem kultischen Akte der Beschneidung in der Tat auch heute noch, wie zu allen Zeiten, mit Widerwillen und Abscheu, ja mit Hohn und Spott gegenüber. So hat denn auch der römische Kaiser Hadrian die Beschneidung bei schwerer Strafe verboten, was eine ungeheure Empörung unter den damaligen Juden hervorrief. Unumstößlich bleibt jedoch bestehen, daß eben der Stifter der christlichen Religion, Jesus von Nazareth, auch beschnitten worden ist, und so das Zeichen des Bundes des jüdischen Volkes mit seinem Gotte an seinem Leibe empfangen hat Und die Erzählung von Jesu Beschneidung wird nach Lukas 2, 21 noch heute in allen christlichen Kirchen als durch die Jahrhunderte geweihtes Festevangelium an jedem Neujahrstage verlesen. Dazu auch haben unzählige Maler — und nicht nur der Italiener Guerzino ( i5c;i—1666) — die Beschneidung Christi immer wieder dargestellt, und es gibt sogar kirch'-r liehe Lieder und Choräle, welche an diese Beschneidung Christi anknüpfen, so etwa den Choral: „Wer sich im Geist beschneidet, Der wird dem Heiland gleich, Und als ein wahrer Christ, Der auch beschnitten worden, Des Fleisches Tötung leidet, Und tritt in Kreuzes-Orden Die so hoch nötig ist: In seinem Gnadenreich. — 109

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