Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Neues und Altes zur Idee des Führertums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 62 (sequence 1)
- Language
- German
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Neues und Altes zur Idee des Führertums Von Regina Barkan Lange bevor sich politische und seelische Not verbunden hatten, um der Frage des Führertums ihre heutige Dringlichkeit zu verleihen, sind bereits Versuche zu ihrer Losung unternommen worden, unter denen fraglos der Versuch Nietzsches der wesentlichste ist: das titanenhafte Ringen um Wiederherstellung einer niedergehenden, kranken, dekadenten Menschheit durch die Macht des großen Menschen als Führer und Gestalter. Man liebte es früher von jüdischer Seite her, auf den Gegensatz zwischen dem Geist des Judentums und dem in Nietzsches Philosophie hinzuweisen. Man betonte den Unterschied zwischen ihr und den sittlichen Ideen des Judentums, man hob hervor, daß das eine, für alle ohne Unterschied geltende Gesetz eine Scheidung der Ethik in eine Herren- und Sklavenmoral unmöglich mache, man wies auf die Demut des jüdischen Weisen im Gegensatz zum Übermenschentum hin. Hat man aber einmal erkannt, wie stark in Nietzsches Philosophie der religiöse Geist waltet, wie sehr bei ihm alle Verneinungen nur Durchgangsstationen waren zu jener großen, allerdings nur in der Fern« geschauten Bejahung hin, dann wird die Kluft, die man früher zwischen dieser neuen und jener ganz alten Lehre gesehen hat, erheblich kleiner. So sehr man einst gerade in Nietzsches Lehre vom Willen zur Macht das eigentlich atheistische, religionsfeiadliche Prinzip hat erblicken wollen, wir wissen heute, daß Wille zur Macht alles in allem nichts anderes meint, als den Willen zu jener Macht hin, die im ganzen Geschehen waltet und deren schaffendes, zeugendes Werkzeug auch der Mensch ist Und gerade von Nietzsches Auffassung des Führertums, der höchsten, die unsere Zeit hervorgebracht hat, öffnet sich mancher Ausblick auf die jüdische 62