Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinischen Judentums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 61 (sequence 15)
- Language
- German
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Di« religiösen Grundlage» im Lichte des Christentums und des rabbiirischen Judentums mittels dieses Schlüssels wandelte er die ganze Behandlung des Problems der Sünde um, wie überhaupt den ganzen Inhalt der Religion. Es konnte schwerlich auch anders sein. Er war ein neuer Mensch in Christo geworden und naturgemäß dachte er fortan in Beziehung auf ihn. Diejenigen, die nicht das erfahren hatten, was er erfuhr, und die im Judentum verblieben waren, von dem auch er ausgegangen war, hielten an ihren früheren Auffassungen fest und sprachen von ihnen in den ihnen geläufigen Ausdrücken. Sie kannten nicht seine Sprache und er konnte nicht länger die ihrige benutzen. Das Ergebnis war Mißverständnis und Erbitterung die ganzen Jahrhunderte hindurch, die seit der Zeit Paulus' verstrichen sind. Aber die Tatsache bleibt, und gerade um ihrer Betonung willen ist dieser ganze Aufsatz überhaupt geschrieben worden, daß dem Juden und dem Christen dieselben religiösen Grundwahrheiten gegenwärtig waren. Der Weise und Heilige auf beiden Seiten vertrat jene Tatsachen, dachte über sie nach, suchte sie zu verstehen und so auszugestalten, daß auch andere sie lernen konnten und das sehen konnten, was sie selbst „von den tiefen Geheimnissen Gottes" sahen. In dieser Hinsicht waren Christen und Juden eins, Kinder desselben Vaters: daß sie sich trennten und warum sie sich trennten, lag darin, daß sie nicht länger dieselbe Sprache oder dieselbe Form der Gedanken benutzen konnten, um das auszudrücken, was in ihrem religiösen Bewußtsein vorging. Und so trennten sie sich; und in den Augen der Mitmenschen waren sie entfremdet und unverstanden, aber im Lichte Gottes waren sie das nicht Und da jeder treu zu seiner eigenen himmlischen Vision stand, laßt sich auch gewiß mit den Worten der Rabbinen sagen, die anläßlich einer berühmten Kontroverse in ihren eigenen Reihen geäußert wurden: „Jeder vertritt die Worte des lebendigen Gottes". 5» 61