Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinischen Judentums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 53 (sequence 7)
- Language
- German
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Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christeutums und des rabbinischen Judentums in ihm ihre „Zuflucht und Stärke, eine stets gegenwärtige Hilfe in der Not". Es ist deshalb unnütz bei einer Wahrheit länger zu verweilen, die für Juden und Christen selbverständlich ist; und wenn es auch in bezug auf das Gebet Unterschiede in den Formen gibt, die schließlich für die Lehre vom Gebet gefunden wurden, so besteht doch kein Unterschied in der Erfassung der fundamentalen Tatsache, eben der Realität einer unmittelbaren Verbindung mit Gott. Das Faktum der in der Seele bewußten Erfahrung ist früher als irgend welche Definition dessen, was die höchste Realität ist, mit der eine Verbindung für möglieh gehalten wird. In jedem Falle ist es eine direkte Beziehung der Seele mit jener höchsten göttlichen Realität; und diese Beziehung hört nicht auf dies zu sein, wenn auch der Sinn des Gebetes in den spezifischen christlichen oder jüdischen Ausdrücken gefaßt wird. Das Gebet ist als ein Akt der Seele dasselbe, ob man es richtet „an den Vater im Himmel" oder „an Christus" oder an den „Heiligen Geist" oder an den „Herrn der Welten" oder an „Unser Vater und König" oder an „Unser Gott und Gott unserer Väter" oder an irgend welche andere durch christliche oder jüdische Frömmigkeit geweihte Namen. Es ist für den Christen ebenso natürlich in Ausdrücken seines Glaubens zu beten, wie es auch für den Juden der Fall ist Keiner konnte die Form des anderen benutzen, und ob sie mit den von ihnen benutzten Ausdrücken genau dasselbe meinten oder nicht, so tragen sie doch dieselben seelischen Bedürfnisse demselben sie erhörenden Gotte vor. In bezug auf die bisher betrachteten drei Grundwahrheiten besteht, soweit es die Erfassung der vor ihnen liegenden geistigen Tatsachen angeht, wesentliche Übereinstimmung zwischen Christentum und rabbinischem Judentum, wenn sie auch in der Form des Ausdrucks, mit der sie diese zu beschreiben suchen, divergieren. 4- Bei der vierten Grundtatsache ist der Unterschied tiefer und weitreichender. Eis handelt sich hier um den Wunsch nach der Harmonie mit Gott und um die Mittel, durch die diese erreicht werden kann. Es handelt sich hier nicht mehr bloß wie in den früheren Fällen um die Erfassung geistiger Realitäten, sondern darum, daß etwas getan werden soll und darum, wie dies getan werden soll Das Problem ist zwar für Judentum und Christentum dasselbe, aber in dessen Lösung gehen sie weit auseinander und nur wenige Faktoren, die in der Antwort auf der einen Seite erscheinen, finden sich auch auf der anderen Seite. 53