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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinischen Judentums
Date
1928-04-01
Page
51 (sequence 5)
Language
German
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Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbimschen Judentum« und für einsichtsvolle Leser leuchtet das Gottliche ebenso aus dem letzteren hervor, wie aus dem ersteren. Die grundsätzliche Glaubensvorstellung in bezug auf Gott ist im Christentum wie auch im rabbinischen Judentum der Glaube an Einen, der gut, heilig, gerecht, wahr, weise und liebend ist, der im Himmel wohnt und alles erfüllt, doch zugleich jedem seiner Kinder nahe ist „nahe in jeder Art von Nähe" wie ein Rabbi sagte. Weder der Jude noch der Christ glaubte an eine nackte Abstraktion Gottes, an einen bloßen Allmächtigen; das mag Philosophie sein, ist aber nicht Religion; und. was Juden und Christen in bezug auf Religion beschäftigte, war gerade das, was in der Seele empfunden wurde. Der Unterschied zwischen der christlichen und jüdischen Lehre von Gott liegt nur in den betreffenden Ausdrücken, in die sie die Lehre fassen. Die christliche Theologie arbeitete nach und nach die Doktrin von der Dreieinigkeit und von der Göttlichkeit Christi aus, als der Verkörperung der Wahrheit von Gottes Nähe zum Menschen, seiner Verbindung mit der Seele, seines Wissens um die menschlichen Dinge. So wird das Grundsätzliche der göttlichen Realität und der göttlichen Nähe in Ausdrücken Christus dargelegt Der Jude fand andere Mittel und andere Ausdrücke, um seinen Glauben an die Nähe und persönliche Verbindung von Gott zu den Menschen darzulegen. Der Jude sprach nur von „Gott", wie er es immer zu tun pflegte; und er fand es nicht schwierig, Gott alles an göttlicher Macht, Güte, Weisheit und Liebe zuzuschreiben, ohne daß er dadurch irgendeine Unterscheidung von Personen oder Funktionen in der Gottheit zuzugeben brauchte. Die jüdische und die christliche Theologie gehen in bezug auf die Form ihrer Lehren von Gott weit auseinander, besonders deshalb, weil die christliche Lehre den Weg für eine spekulative Weiterentwicklung in einem weit größeren Maße eröffnete, als die jüdische Lehre. Aber für beide ist die Erfassung der höchsten göttlichen Realität und die zu tiefst gefühlte Gegenwart des lebendigen Gottes fundamental. 2. Ebenso grundsätzlich ist für beide Religionen der Glaube, daß der Mensch in irgendeiner Beziehung zu Gott steht Weder Christentum noch Judentum zögerten, genau zu bestimmen, welches jene Beziehung ist Was immer ein Mensch sein mochte, er war und fühlte sich als Geschöpf Gottes. Er stand vor seinem Schöpfer; und nicht bloß sein Schöpfer, sondern sein oberster Herr war es, der seine Dienstbereitschaft beansprucht und sein Richter, der ihn zur Rechenschaft ziehen würde. Das waren drei Typen der Beziehung, die weder der Christ noch der Jude je geleugnet haben oder zu 51

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