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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinischen Judentums
Date
1928-04-01
Page
48 (sequence 2)
Language
German
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R. Travers Herford immer Geltung — nimmt Herford in der Geschichte von „Christian Writers on Judaism" durch seine Vertrautheit mit den talmudischen Quellen und deren objektiver Behandlung1) eine ganz besondere Stellung ein- Wie Wenige ist er daher legitimiert, die Forschung auf neue Bahnen zu lenken; als der Beginn einer neuen Beziehung christlicher Gelehrten zum jüdischen Schrifttum verdient Travers Herfords Wirken größte Beachtung. (Über sein Leben und seine Werke vergl. meine Vorrede zur deutschen Übersetzung von „Die Pharisäer.") VV. F. Dieser Abhandlung liegt die Hauptthese zugrunde, daß im Christentum wie auch im rabbinischen Judentum die gleichen religiösen Grundwahrheiten erfaßt werden, und daß in diesen beiden Religionen jene gleichen Grundwahrheiten nur auf verschiedene Weise ausgedrückt und erklärt werden. Daß der Gegensatz zwischen Christentum und Judentum sehr auffallend ist, bedarf keines Beweises. Neunzehn Jahrhunderte gegenseitiger Kontroverse zeugen von dieser Tatsache. Es ist aber weniger klar, daß dieser sehr auffallende Gegensatz sich nur aus der verschiedenen Auslegung der religiösen Grundlagen herleitet, und nicht in jenen Grundlagen selbst oder gar in der Tatsache ihrer Wahrnehmung begründet liegt Was ich unter religiösen Grundlagen verstehe, will ich gleich sagen. Aber angenommen, daß es gewisse geistige Realitäten, Wahrheiten oder Tatsachen gibt, die für den menschlichen Geist erfaßbar sind, dann waren diese der inneren Vorstellungswelt der Heiligen, Weisen und Lehrer der Christenheit sowohl wie der Judenheit gegenwärtig. Der Gegensatz lag allein in dem, was sie lehrten, und wie sie es lehrten, in den Ausdrücken, mit denen sie das Gesehene zu beschreiben pflegten, in der Auslegung ihres inneren Wesens und in den Schlußfolgerungen, die sie daraus zogen. Erstens also von der Religion und ihren Grundlagen. Ich möchte Religion definieren als den Wunsch von seiten des Menschen mit Gott in Harmonie zu leben. In dieser Definition sind die folgenden grundlegenden Wahrheiten, Realitäten oder Grundtatsachen einbegriffen: 1. Daß Gott ist 2. Daß der Mensch mit Gott in Verbindung steht 3. Daß ein Verkehr zwischen Mensch und Gott möglich ist 4. Daß der Wunsch besteht von seilen des Menschen mit Gott in Harmonie zu leben. x) Als deren neuster Beweis sei hiermit nachdrücklichst auf sein letztes Werk „Die Pharisäer" verwiesen. 48

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