Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinischen Judentums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 47 (sequence 1)
- Language
- German
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Die religiösen Grundlagen im Lichte des Christentums und des rabbinisdien Judentums Von R. Travers Herford aus dem Englischen übersetzt von Walter Fischel Der hier in deutscher Übersetzung vorliegende Aufsatz wurde von R. Travers Herford als Vortrag vor einer christlich-theologischen Gesellschaft gehalten und ist dann im „Hibbert Journal" 1923 erschienen. Er stellt in nuce die Auffassung Herfords über das Problem des Verhältnisses von christlicher und pharisäischrabbinischer Theologie dar und führt so in das Gesamtschaffen des Verfassers ein. Bekanntlich zentriert sich sein Lebenswerk um diese Frage, zu deren Lösung er mehrere bedeutende Werke, wie „Christianity in Talmud and Midrasch" 1903, „Pharisaism" 1912 und zuletzt „The Pharisees" (in deutscher Obersetzung soeben bei G. Engel, Leipzig erschienen) geschrieben hat. Was Herford von all den andern christlichen Gelehrten unterscheidet, die sich mit demselben Problem beschäftigt haben, ist in erster Linie seine selbständige Kenntnis der rabbinischen Quellen, die er sich in einem jahrzehntelangen Bemühen angeeignet hat. Da er nicht von der Missionstätigkeit her zur Beschäftigung mit den jüdischen Quellen kommt, sondern aus reinen wissenschaftlichen. Antrieben, erkennt er den Eigenwert des Judentums und seiner Lehren in einem erstaunlichen Maße, und es nimmt nicht wunder, daß er sowohl gegen die a priori Theorie von der Überlegenheit des Christentums über das Judentum, wie auch gegen die übliche Auffassung von der „Starrheit des Gesetzes" entschieden Stellung nimmt. Während Schürer z. B. zur Darstellung der religiösen Vorstellungswelt des Judentums sich nur auf die Mischna stützt und sein sonst so wertvolles Geschichtswerk in diesem Punkte völlig versagt und Boussets „Religion des Judentums im neu testamentlichen Zeitalter" die rabbinischen Quellen überhaupt fast völlig vernachlässigt — die Einwände von F. Perles in seiner kritischen Schrift gegen Bousset (1903) haben trotz der von Greßmann besorgten Neuauflage nocb 47