Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 46 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Theodor Steinbüchel Karl Marx. Gestalt und Ethos.. Zeit ihn vor die letzte Wirklichkeit stellt, die in dieser Zeit wirkt und die religiöser Glaube als „Gott" erfaßt Dieser Gott stellt immer Gegenwartsaufgaben und stellt in ihnen den Menschen vor die Entscheidung für das in die Zeit hineinwirkende und vom Menschen in der Zeit mitzuverwirklichende Ewige. Daß Marx diese Tiefe des Weltsinnes nicht sah, das erst ist die große Schwäche seiner säkularisierten Eschatologie. Steht der Mensch aber im Augenblick seines konkreten Lebens, in der Härte seiner konkreten gesellschaftlichen Lage allezeit vor dem ecx&tov, dem Ewigen im Zeitlichen, dann wird sein Gewissen ihm unentrinnlich den Kampf um sein Menschsein in der realen Gesellschaft seiner Zeit auferlegen. Denn die Gewissensforderung, Mensch in der Gemeinschaft der Menschen zu sein, kann er als ewige Forderung dieses Gewissens nur als einen Sinn erfassen, der eine Forderung des Ewigen an die Zeit und zumal an eine Zeit enthält, die in ihrer Zerstörung bis zur Zerstörung des Menschlichen gegangen ist Das Marxsche Ethos sucht heute seine letzte religiöse Fundierung und damit seine Lösung aus den Restbeständen einer vergangenen Zeit, die es mitbestimmte und in vielem — verbürgerlichte. 46