Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 670 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Anzeigen New York wohnen allein mehr als zehnmal soviel Juden denn in ganz Palästina, trotz unermüdlicher Agitation. Von den 887 000 Einwohnern der amtlichen Schätzung vom 1. September 1926 sind i58 000 Juden i7,8°/o, Christen 78000 8,8%, Mohammedaner 64i 000 72,270/0. Von Palästina als einem {'üdischen Lande kann also noch lange keine lede sein. Was im großen Publikum gleichfalls fast ganz unbekannt ist, das ist der Umstand, daß es in Palästina eine andere jüdische Kolonisation gibt, die vom Zionismus nichts wissen; will und nicht nur älter, sondern auch viel bedeutender als die zionistische ist. Da sie ohne Geschrei arbeitet, werden viele kaum ihren Namen kennen. Es ist die PICA Palestina Jewish Colonization Association. Sie erledigt jetzt die umfangreichen und bedeutungsvollen Palästinaarbeilen, die der Pariser Baron Edmund v. Rothschild (seit i883/84) im Lande vornimmt und (seit 1896) der Jewish Colonization Association (Jca), die, mit dem Hauptsitz in Paris, die großartige 1893 errichtete Stiftung des aus München stammenden Baron Hirsch (testamentarisch noch bedeutend erhöht) zu bestimmten Wohlfahrtzwecken verwendet. Diese PICA nun besitzt den weitaus größten Teil des jüdischen Bodens in Palästina, doppelt soviel als der „Jüdische Nationalfond". Noch größer als die wirtschaftlichen sind die im dritten Teile geschilderten politischen Schwierigkeiten des Landes, so daß es von diesem Gesichtspunkt aus zur Errichtung eines selbständigen jüdischen Staatswesens geradezu als das allerungeeignetste bezeichnet werden muß. Nirgends ist heißerer, durch die mannigfachsten Gegensätze zerrissener Boden. Nicht geringen Anteil hat daran der Zionismus, der jüdische Nationalismus mit seinen Methoden, seinen Übertreibungen und seinem Größenwahn. Ein Beispiel ist u. a. die mit gewaltigem Paukenschlag erfolgte Gründung der jüdischen „Universität in Jerusalem, — ein Messer ohne Griff, dem die Klinge fehlt. Hingegen werden immer ein Ruhm des Judentums die Chaluzim bleiben, das sind die jugendlichen Pioniere, Jünglinge und Mädchen, die getrieben von glühender Begeisterung für eine Idee — mag sie auch eine Utopie sein! — alles hinter sich gelassen haben, um im Schweiße ihres Angesichtes, mit ungewohnten Händen das „Land der Väter" wieder aufzuhauen. Aber auch dies erfordert kostspielige Subventionen durch das jüdische Ausland. Dem Centraiverein gebührt Dank für die Entsendung; seines Syndikus und diesem für die reiche Aufklärung, von der wir nur einen Teil angeführt haben. B. Jacob. Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Berlin, Verlag Lambert Schneider. Das Buch: Reden. Das Buch: Jehoschua. Das Buch: Richter. Seit, der letzten Anzeige sind drei weitere Bände erschienen, das fünfte Buch Mose und die zwei ersten Bücher der Propheten, der„Künder"; es ist bewundernswert, mit welcher Raschheit das schwierige Werk fortschreitet. Alles was bereits zur Charakteristik der Übersetzung gesagt ward (vergl. Jahrgang 3, Nr. 3, S. 343) ist zu wiederholen. Die Stileigenart der Verdeutschung, Wortschöpfung und Sinngebung setzen sich in derselben Linie fort. In dem Wort- und Stilgefüge des Urtextes dieser drei Bände liegt es, daß sie sich besonders eignen, den Leser in die Eigenart der Übersetzung einzuführen, er gewinnt die Lust, sich auch in die anderen Bände einzulesen. formt sich so sein Urteil und macht sich auf jeden Fall die Bibel neu zu eigen. Zwei Proben mögen die Art der Verdeutschung widerspiegeln und zugleich dem des Hebräischen Kundigen zeigen, wie die Übersetzer versuchen, Wortsinn und Rhythmus des Hebräischen durchfühlen zu lassen. Aus dem fünEten Buche „der Weisung" das jedermann bekannte Sch'ma Isroel: Hör Jißrael: ER unser Gott, ER Einerl So liebe denn IHN deinen Gott mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele, mit all deiner Macht. So seien diese Reden, die ichselb heuttags dir gebiete, auf deinem Herzen, einschärfe sie deinen Söhnen, rede davon, wann du sitzest in deinem Haus und wann du gehst auf den Weg, wann du dich legst und wann du dich erhobst, knote sie zu einem Zeichen an deine Hand, sie seien zu Gebind zwischen deinen Augen, schreib sie an die Pfosten deines Hauses und in deine Tore! Und aus dem Buch Richter die Fabel von den Bäumen, 670