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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 662

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel
Date
1928-02-01
Page
662 (sequence 1)
Language
German
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Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel Ueb ertragen von Carl Gebhardt i Die Zeit schlug geschärften Pfeiles in mein Herz und spaltete mir im Innern meine Nieren. Sie schlug mich und unheilbar ist ihr Schlag, sie zerschmetterte mich und machte ewig meinen Schmerz. Sie verwundete mich und vernichtete mein Fleisch, und es fraß der Schmerz mein Blut und mein Fett. Sie zermalmte all mein Gebeine in ihrer Wut, sie erhob sich und stürzte sich auf mich wie eine Löwin. Nicht genug, daß sie mich windengleich wand, sie machte mich zum vertriebenen Wanderer in der Blüte meiner Jugend. Wie einen Söldling trieb sie mich um in der Welt und wirbelte mich um die Enden der Erde. Schon sind es zwanzig von meinen Jahren, daß nicht zur Ruhe kamen mein Pferd und mein Wagen. Eine hehle Hand maß die Wasser und allen Staub der Länder und meinen Frühling vernichteten die. Die Zeit verscheuchte den Freund von mir und jagte, die meines Alters waren, und verstieß das Volk, das mir nahe ist. no Nicht sah ich, noch wußte ich meine "Vertrauten, nicht Mutter noch Bruder und "Vater. Sie zerstreute meine Lieben, den nach Norden, und den nach Osten und den gen Westen, Daß meine Gedanken nicht stille werden könnten und ich keine Ruhe fände selbst in meinem Denken. Und wie mein Gesicht zum Osten sich wandte, folgte der Trennung Schmerz mir auf den Fersen. Es gleitet mein Fuß und mein Herz wankt, und ob ich gehe oder rückkehre, unterscheide ich nicht. Hat doch die Zeit mein Herz zu Grunde gerichtet, es zerrissen und zerstückelt wie Bär oder Wolf, Und geschlagen haben es Seufzer und Schreck in des Räubers Raub, Vermögens Plünderung und Gefangenschaft. Ihr scheint es zu wenig und mieb zu vernichten suchte sie und zu verlöschen meinen Funken. Zwei Knaben wurden mir geboren, liebliche Knaben, in Herrlichkeit und Pracht, gazellengleich. 662

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