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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 646

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Universalismus und Toleranz im Judentum [Rezension]
Date
1928-02-01
Page
646 (sequence 7)
Language
German
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I. Heinemann auch in solchen Büchern, deren monotheistische Strenge ganz außer Zweifel steht, nicht gestellt, geschweige, daß irgendwo der „Götzendienst" den Völkern in dem Sinne zum Vorwurf gemacht würde, wie sittliche Vergehen. Mit Recht hebt Guttmann S. 196 ff. hervor, daß die Leute von Ninive im Buche Jona lediglich „Buße tun", also sittliche Besserung üben, aber an ihrem Kultus nichts ändern. Das hellenistische Judentum hat bekanntlich starke Propaganda getrieben. Aber in seinen Werbevorträgen, -büchern und -dichtungen ist von rituellen Verpflichtungen nicht die Rede. Woran liegt das? Man hat seither, namentlich von theologischer Seite, geantwortet: weil die Juden aus kluger Berechnung zurückstellten, was den Heiden zur Ablehnung, ja zum Spott Anlaß geben konnte. Guttmann lehnt diese Begründung ab (S. 89 ff.); und ich bin sicher, die Altertumsforscher werden ihm recht geben. Sie werden darauf hinweisen, daß Festtagsgesetze dem Griechen sehr geläufig waren (und über die Strenge der Einzeldurchführung ließen manche hellenistische Juden mit sich reden), daß die Speisegesetze der Pythagoreer erheblich strenger waren als die jüdischen (nicht zu reden von Vorschriften etwa des Attiskultes, die über den Beschneidungsritus sehr weit hinausgingen), daß aber andererseits der Kultus eines unsichtbaren Gottes dem Griechen schon seit Aristophanes Zielscheibe des Spottes war, und daß es sehr wenige Griechen gab, die einsahen:, weshalb man „alle Kinder aufziehen" müsse1) und sich des Verkehrs mit seiner Sklavin oder einem hübschen Jungen enthalten solle. Der Grund für diese Auswahl war vielmehr ganz einfach der, daß diese Gesetze nach jüdischer Auffassung für die Heiden gar nicht verpflichtend sind, wenn man auch natürlich denen, die sie ganz oder teilweise halten wollten, keine Schwierigkeiten in den Weg legte. Aber auch hier steht zwischen dem allgemein verpflichtenden Ethischen und dem nur für Juden bestimmten Rituellen der Monotheismus. Er wird zweifellos auch den Heiden verkündet Aber die griechische Bibelübersetzung sieht in einem (bei einem gewissen Maße guten Willens mißdeutbaren) Bibelvers ein „Verbot der Lästerung fremder Götter"; und die jüdischen Schrifsteller haben es noch unterstrichen (G. i43f.). So ist denn hier die Stellung die gleiche wie in der Bibel: der Monotheismus ist Hoffnung, nicht Forderung. Genau dieselbe Anschauung bringt nun, wenn auch in eigenartig ab- *) S. o. Jahrg. II, S. 665 ff. über „Das Leberwrecht des Kindes". 646

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