Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Universalismus und Toleranz im Judentum [Rezension]
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 640 (sequence 1)
- Language
- German
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Universalismus und Toleranz im Judentum Von I. Hememann „Ihr fordert Toleranz. Aber hat eure Religion nicht die Unduldsamkeit gegen Andersgläubige gelehrt, ja, erst in die Welt gebracht? Ihr verlangt von uns schrankenlose Menschenliebe. Aber ist euer Gott nicht — ausschließlich oder doch wesentlich — Stammesgott eures Volkes geblieben? Und ergibt sich aus solchem religiösem Partikularismus nicht notwendig Engherzigkeit und Verständnislosigkeit?" Jeder von uns kennt diese Vorwürfe und — ihre Gefahr. Sie bedrohen nicht nur unsere bürgerliche Stellung, sondern auch unser inneres Anrecht darauf, als Juden an der Weltkultur tätigen Anteil zu nehmen. Ja, sie bedrohen in gewissem Sinne die Einheit unseres Wesens. Denn wohl wissen wir alle, daß Hillel das Gebot schrankenloser Nächstenliebe nicht von seinen stoischen Zeitgenossen zu lernen brauchte, von denen die Renaissance den Begriff der humanitas übernahm, sondern daß er es aus dem Bibelwort und seinem jüdischen Empfinden schöpfte. Aber enthält nicht die Bibel und das auf ihrer Grundlage erwachsene jüdische Empfinden auch in gewissem Sinne partikulare, intolerante Elemente? Und wenn dem so ist, wie verhält sich das Universale zum Partikularen, das Weitherzige zum Unverträglichen? Wie grenzt sich beides gegeneinander ab? Und wie ist das eine aus dem anderen zu verstehen? Eine neue Antwort auf diese Fragen versucht Professor Michael Guttmann zu geben in seinem soeben erschienenen Buch „Das Judentum und seine Umwelt" (i. Teil, Berlin, Philo-Verlag, 1927). Professor Guttman ist Talmudforscher, Inhaber des ersten Lehrstuhls für Talmudwissenschaft am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, und in Fachkreisen durch eine große Anzahl hebräischer, deutscher und ungarischer 640