Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Jüdische Wanderungen
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 603 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895467-2895474-2898451--02440-2898550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Wanderungen (1899—J924j im Jahre 1914 auf acht (Kürschner 47,5o/o, Gerber und Lederzurichter 36,8j0/0, Schneider 34,560/0, Putzmacherinnen 33,84%, Uhrmacher 3o,68o/o, Zigarettenmacher 29,170/0, Schneiderinnen 21,75.0/0, Photographen 17,99%) im Jahre 1924 zurückgegangen. Zusammenfassend muß folgende die soziale Struktur der modernen jüdischen Wanderbewegung keimzeichnende Tatsache festgehalten werden: Die meisten professionellen Gruppen, die vordem Kriege numerisch in fast ununterbrochenenem Steigen begriffen waren, sind während des letzten Jahrzehnts merklich zurückgegangen. Die Zahl der Erwerbstätigen ist von 56,66o/0 auf 46,570/0, innerhalb dieser Gruppe die der gewerblich Vorgebildeten von 68,190/0 auf 45,390/0, unter den letzteren der Prozentsatz des Bekleidungsgewerbes von 57,270/0 auf 52,180/0, innerhalb des Bekleidungsgewerbes der Prozentsatz der Schneider von 62,44% auf 50,070/0 gefallen. Mochte das berufliche Gesamtbild im Durchschnitt der Jahre 1899—1924 sich auch nur unwesentlich geändert haben, — die Entwicklungstendenz der einzelnen Jahre war während des letzten Wanderabschnitts eine gänzlich andere als vor dem Kriege. Ursache dieser prozentualen Verschiebung einzelner sozialer Kategorien ist in erster Linie die geringere wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der Berufslosen, sowie der ihnen sozial häufig nahestehenden Handels- und Luftmenschenelemente. Die gewerblich vorgebildeten Arbeiter und Handwerker haben die Erschütterung der Kriegs- und Nachkriegszeit weit besser überstanden als die zahlreichen Pedler und Krämer, Dienstboten und ungelernten Arbeiter, denen die letzten Jahre vielfach jede Erwerbs- und Fortkommensmöglichkeit in Osteuropa genommen haben. Während daher viele Handwerker, trotz relativ leichterer Auswanderungsmöglichkeit, sich den neuen sozialen und beruflichen Verbältnissen ihrer Heimatländer anpassen konnten, war für die „no-occupation"- und „miscellaneous"- Gruppe die Auswanderung der letzte und einzige Rettungsanker. 39* 603