Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Jüdische Wanderungen
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 586 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Wanderungen (1899-1924) Von Michael Traub (Sdduß) E. Bildungs- und Vermögensverhältnisse der jüdischen Einwanderer.1) Die Analphabetenrubrik der amerikanischen Immigrationsstatistik bot vor dem Kriege ein unverfälschtes Bild europäischer Bildungsverhältnisse. Dies ist seit der Einführung der amerikanischen Analphabetenklausel nicht mehr der Fall: Erwachsene über 16 Jahre, die weder lesen noch schreiben können, werden in den meisten Fällen am Landen verhindert, und die relativ geringfe Zahl völliger Analaphabeten, denen es trotzdem gelingt, nach Nordamerika zu immigrieren, entspricht keineswegs dem normalen Bildungsstande des betreffenden Volkes außerhalb des Einwanderungslandes. Der Prozentsatz der Analphabeten ist unter den erwachsenen jüdischen Einwanderern von 24,860/0 vor dem Kriege (1899—1914) auf 7,750/0 im Durchschnitt der Jahre 1915 bis 192 4 gefallen. Allerdings war bereits seit 1908 ein fast ununterbrochener Rückgang des jüdischen Analphabeten-Prozentsatzes zu verzeichnen. Diese rückläufige Bewegung ist auch während der ersten zwei Kriegsjahre, vor Inkrafttreten des Immigrationsgesetzes von 1917, immer deutlicher in Erscheinung getreten: 1915 15,17 0/0, 1916 7,10/0. Auffallenderweise ist aber der prozentuale Durchschnitt der unter der Herrschaft der Bildungsklausel stehenden acht Immigrationsjähre 1917 bis 1924 mit 7,110/0 nicht geringer als der letzterwähnte Prozentsatz des Jahres 1916. Wir sind daher der Ansicht, daß die konstante Verminderung der jüdischen Analphabeten- Einwanderung nicht so sehr durch die einschlägigen Bestimmungen der ameri- Siehe Herzu Tabellen VII und VIII am Schluß des Heftes. 586