Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Staat, Recht und Judentum
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 585 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Staat, Recht und Judentum darauf aufmerksam, daß sie nur insoweit gelten, als die russische Regierung sie gestatte. Und über die Zuständigkeit jüdischer Gerichte bemerkt er abschließend (Kap. 3, § 17): „Heute haben wir keine Gerichtsbarkeit mehr ohne Ermächtigung durch den Kaiser, denn das Gesetz des Staates ist Gesetz." Das gewaltige Problem der Harmonie des staatlichen und des religiösen Gesetzes durchzieht die Weltgeschichte. Es tritt auch in der Geschichte und Gegenwart des Judentums zutage. In Jahrtausenden haben hier Propheten und Rabbinen an seiner Lösung gearbeitet Sie haben den Weg gefunden, auf dem das Judentum sein Selbstbewußtsein erhielt und doch den Forderungen jeder Gegenwart gerecht wurde. Sie hielten die jüdische Gemeinschaft zusammen und ermöglichten doch dem einzelnen Juden die vollkommene und rückhaltlose Einbürgerung in den Staat Er folgte den Notwendigkeiten der Geschichte und behielt doch sein gutes Gewissen gegenüber den Forderungen der jüdischen Religion und Gemeinschaft In der großen jüdischen Geschichte ist das wenig bekannte Kapitel von Recht, Staat und Judentum ein bedeutender Abschnitt Vorbild für die Lösung einer der schwersten Aufgaben menschlichen Gemeinschaftslebens ist die Kraft und Geschmeidigkeit, mit der hier der Weg inne gehalten wurde, den in den Tagen des nationalen Zusammenbruchs Jeremia gewiesen hatte: „Suchet das Wohl der Stadt, wohin ich Euch weggeführt habe, und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Frieden wird Euch Frieden!" 585