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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 555

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Zur Psychologie des jüdischen Kindes
Date
1928-02-01
Page
555 (sequence 1)
Language
German
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Zur Psychologie des jüdischen Kindes Von Erich Stern I. An unserem Leben formen viele Mächte. Auf das mit bestimmten Anlagen ausgerüstete Individuum wirkt die Fülle der Umweltreize, und erst dieses Zusammenwirken von Inweit und Außenwelt gibt dem Menschen die Gestalt, entscheidet über sein Schicksal. Beide Reihen können nach der gleichen Richtung hin treiben, sie können aber auch einander entgegenwirken. Im einen Falle bringt das Leben die Veranlagung des Menschen immer reiner zum Durchbruch, im anderen Falle kann es diese vollkommen entstellen und zur Zerrissenheit führen. Welche von den beiden Reihen den Ausschlag gibt, ob die Veranlagung oder das Milieu entscheidender ist, darüber sind die Anschauungen geteilt Die Vererbungs- und Rassetheoretiker sind geneigt, der Veranlagung die entscheidende Bedeutung beizumessen, die Milieutheoretiker sehen in der Umwelt die wesentlichsten Faktoren. Zwischen beiden Auffassungen steht die, welche sowohl der Veranlagung wie der Umwelt eine große Bedeutung für die Entwicklung des Menschen beimißt. Das eben kurz angedeutete Problem: Anlage oder Milieu erscheint für eine Behandlung der Psychologie des Juden von besonderem Interesse und von höchster Wichtigkeit. Daß sich der Jude auch heute noch von seiner nichtjüdischen Umgebung unterscheidet — und das selbst in solchen Ländern, in denen er gesetzlich als gleichberechtigt anerkannt wird — kann kaum übersehen werden: seine Einstellung zum Leben, zur Welt, zum anderen Menschen, zum eigenen Ich scheint oft etwas durchaus Eigentümliches zu haben; der Lebensrhythmus scheint ein anderer zu sein. Wo liegen die Ursachen für dieses 555

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