Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 543

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Ernst Gagliardi, Bismarcks Entlassung [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
543 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895473-2898321--02362-2898435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Ernst Gagliardi, Bismarcks Entlassung gewesen, dem ihm in jeder Beziehung überlegenen Staatsmann zu folgen. Er hat es nicht getan aus Eitelkeit, Ruhmsucht, Anmaßung, Einbildung. So hat Wilhelm II. in dem Streit mit Bismarck von den sozialen Erlassen an, über die Kabinettsordre von i852 hinweg bis zu Windthorsts Empfang durch den Kanzler, nur formal recht, durch eine Zufälligkeit des Zeitgenössischen. Durchstudiert man das ungeheure Aktenmaterial Gagliardis, so bekommt man die Empfindung, daß auch er — gerade wie Schüßler in seiner enthusiastischeren Darstellung — trotz allem auf Bismarcks Seite steht. Ich hoffe und wünsche, daß der zweite Band des Werkes von Gagliardi, dem man mit Interesse entgegensieht — diese Gedanken noch schärfer herausstellt. Die Juden im heutigen Frankreich Von Louis Germain-Le'vy Da der französische Staat sich nicht um die Religion seiner Bürger bekümmert, ist es unmöglich, die Zahl der Juden Frankreichs genau festzustellen. Man schätzt ihre Zahl auf etwa 200 000, von denen 125 000 in Paris wohnen, 4oooo im Elsaß und in Lothringen, und der Rest in den großen Zentren wie Marseille, Bordeaux, Nancy, Lyon, Nizza, Dijon usw. Es gibt große Gebiete, wo man kaum einige Glaubensgenossen findet. Seit dem Krieg haben sich die Juden fast verdoppelt, einmal durch die Wiedereinverleibung Elsaß-Lothringens, dann durch den Zustrom russischer, polnischer und levantinischer Juden. Man muß noch 200 000 Juden dazurechnen, wenn man Algier, Tunis und Marokko mit einbezieht. Mindestens die Hälfte der französischen Juden haben nur noch sehr lose Beziehungen zum Judentum. Besonders die intellektuellen Kreise sind losgelöst von allem Religiösen. Im Elsaß und in Lothringen gibt es noch kleine othodoxe Gemeinden. Die Mehrzahl hängt mehr oder minder nur noch an einer gewissen Tradition; sie macht von ihrem Judentum an Jörn Kippur oder bei einer Bar Mitzwoh, einer Trauung und einem Todesfall Gebrauch. Zwei Prozent aller Ehen sind Mischehen. 1907 hat sich in Paris eine „Union Liberale Israeli te" gebildet, die viele Seelen der Religion Israels wieder zuführt. Dieser Gruppe, die in der Rue Copernic ihren Tempel hat, schließen sich dauernd neue Freunde an. Ein Erwachen geistig-religiöser Interessen macht sich unter der Jugend bemerkbar, besonders in den Vereinigungen: „Schema Israel", „Jeunesse Liberale", „Union Universelle de la Jeunesse Juive". Sicher gibt es, wie überall, so auch in Frankreich Menschen, die die Juden nicht lieben. Man findet sie besonders unter der Geistlichkeit und im Bürgertum (Bourgeoisie). Aber die große Menge des französischen Volkes kennt keine Feindschaft gegen uns, und die Juden nehmen erste Stellen ein im Wirtschaft- 543

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.