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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 541

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Ernst Gagliardi, Bismarcks Entlassung [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
541 (sequence 1)
Language
German
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Ernst Gagliardi, Bismarcks Entlassung1) Von Adam Röder Ernst Gagliardi ist Geschichtsprofessor an der Universität Zürich. Es muß dies besonders betont werden, weil ein Ausländer es sich in so besonderer Weise angelegen sein läßt, das Thema, das von deutschen Historikern eindringlich abgewandelt wurde, nun sozusagen in eine Hochpotenz der Gründlichkeit zu erheben. Was an Einzelvorkommnissen im Diplomatischen, im Journalistischen, im Politischen, im Gesellschaftlichen, im Höfischen, im Internen des Familienmäßigen, wie in den Quertreibereien der internationalen und militärischen Beziehungen zu chronolcgisicren ist und dem Thema erklärend beigefügt werden kann, ist hier in sorgsamer Gelehrtenarbeit geleistet worden. Wenn man noch unter der Nachwirkung der Lektüre von Wilhelm Schüßlers ausgezeichnetem und großzügigen Buch „Bismarcks Sturz" steht, so mag einem Gagliardis Werk nur schwer eingehen, im Sachlichen und im Formalen. Im Sachlichen, weil Wilhelm Schüßler bei aller kritischen Schärfe des Historikers doch mit einem bewundernden Gefühl an seinen Helden und dessen tragischen Sturz herantritt —, im Formalen, weil Schüßler als geistvoller und stilsicherer Schriftsteller dem Leser sein Thema vorsetzt, während Gagliardi mit dem Werkzeug des Gelehrten hantiert und seine Überfülle von Einzelheiten und aktenmäßigen Anmerkungen ganz undosiert seinem Buche einverleibt. Über Gagliardi hinaus wird wohl kein Historiker Materialien herbeibringen, die zum Sturz des Reichsgründers führten. Was in den beiden Jahren der Katastrophe — die Meisten von uns haben sie miterlebt — an psychologischen Details zur Erklärung herbeigeschafft werden konnte, ist von Gagliardi mit außerordentlichem Spürsinn und großer Eindringlichkeit zu einem übersichtlichen Gesamtbild aufgebaut worden. Gagliardis Stellung zum Problem sowohl wie zur Person Bismarcks ist eine andere, wie die Schüßlers. Den größeren Anteil der Schuld am Sturz des Gewaltigen schiebt Gagliardi Bismarck selbst zu. Und darin hat er gewiß recht; aber es ist unverständlich, wenn uns Deutsche Schüßlers These von der gewaltigen Tragödie, die den Helden schuldhaft und doch unverschuldet stürzen läßt, gefühls- ») i. Teil: Die Innenpolitik. Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1927. 54X

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