Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Jüdische Wanderungen
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 501 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Wanderangen (1899-I9241) Von Michael Traub I. Die großen Binnenwanderungen des osteuropäischen Judentums während des Krieges Mehr denn je trug die jüdische Wanderbewegung während des Krieges einen zwangsmäßigen, durch äußeres Geschehen bedingten Charakter. Nicht planmäßig überlegtes Wollen, sondern notgedrungenes Müssen haben während dieser Jahre die Wanderungen der Ostjuden bestimmt und geleitet Wie ein unentrinnbares Naturereignis hat der Krieg binnen weniger Monate unzählige osteuropäische Juden aus ihren alten Wohnstätten gewaltsam verdrängt und ins Innere Rußlands verschlagen. Hunderttausende setzten sich von einem Tag auf den andern in Bewegung. In der sozialen Kausalität dieses gewaltigen Wanderprozesses war das entscheidende Motiv nicht das ersehnte Ein wanderungs ziel, sondern vielmehr der unerbittliche Aus wanderungszwang. Der jüdische Wanderer wurde zum Flüchtling, für den das Entrinnen die einzige Rettung vor drohendem Unheil bedeutete. Daher die elementare Gewalt dieser unzählige Schwierigkeiten überwindenden Bewegung, daher auch ihre häufige Planlosigkeit und unheilvolle Verworrenheit Charakteristisch für die jüdische Wanderbewegung während des Krieges ist das numerisch starke Überwiegen der Binnenwanderung bei nahezu völligem Rückgang der Auswanderung. Bei geschlossenen Grenzen vollzog sich der jüdische Migrationsprozeß größtenteils im Rahmen des früheren russischen Reiches und mußte naturgemäß als Binnenwanderung ver- *) Aus dem noch unveröffentlichten II. Bande von Traub: „Jüdische Wanderungen". 50t