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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 493

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Schreiben an einen katholischen Geistlichen
Date
1927-12-01
Page
493 (sequence 21)
Language
German
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Schreiben an einen katholischen Geistlichen gegen den Katholizismus besteht: das Judentum verurteilt diese Feindschaft aufs -schärfste; denn ihm liegt jede Feindschaft gegen andre Religionen fern. Als Minorität wäre das Judentum, auch abgesehen von allen sittlich-religiösen Forderungen, töricht, wenn es nicht dieselbe Duldsamkeit, die es für sich beansprucht, auch andern Religionen entgegenbrächte. Die prinzipielle Gegnerschaft der katholischen Kirche gegen die Freimaurerei liegt weit über politische Erwägungen hinaus. Sie liegt in der entgegengesetzten Art, wie Kirche und Freimaurerei die innere Einigung der Menschheit vornehmen wollen. Die Kirche muß darauf bestehen, daß die Menschheit nur auf übernatürlichem Wege durch die Heilsmittel der Kirche zu innerer Einheit und sittlicher Erhöhung gelangen kann, während die Freimaurerei das Ziel auf natürlichem Wege unter Ausschaltung aller übernatürlichen Heilsmittel bewerkstelligen zu können behauptet Die katholische Kirche muß deshalb die Freimaurerei als ein antichristliches Prinzip bekämpfen. Dies scheint mir der entscheidende Punkt zu sein zur Beurteilung des Verhältnisses von Kirche und Freimaarertum. Es ist bedauerlich, daß gerade diese prinzipielle Gegnerschaft in der Öffentlichkeit wenig beachtet wird. Ich habe aber, wie gesagt, zu dieser dogmatischen Frage keine Stellung zu nehmen, wohl aber zu der Verquickung dieser Frage mit dem Antisemitismus. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß sich unter den Mitgliedern der romanischen Logen auch Juden befinden; in welchem Maße, ist mir nicht bekannt. Aber nicht, sofern sie Juden sind, gehören sie der Freimaurerei an, sondern sofern sie Italiener, Franzosen und Belgier sind. Als solche haben sie auch im Weltkriege gegen die Deutschen, auch gegen die deutschen Juden, Stellung genommen. Aber für uns hier kommt es doch nur auf die Teilnahme der deutschen Juden an deutschen Freimaurerlogen an. In Deutschland liegen die Verhältnisse wesentlich klarer. Die deutschen Freimaurerlogen bemühen sich, möglichst unpolitisch zu sein. Vor allem aber: Die Hälfte all er deutschen Freimaurer gehört zwei streng christlichen Freimaurergroßlogen an, die keine Juden als Mitglieder aufnehmen. Aber, so heißt es in einer antisemitischen Schrift, die Oberleitung der Freimaurerei, die sich bis zu den 33 Graden der Stufenleiter maurerischer Erkenntnis aufgipfelt und die unteren Schichten in Unklarheit über die eigentlichen maurerischen Zwecke und Ziele hält, ist jüdisch. Auch diese Be- 493

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