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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 492

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Schreiben an einen katholischen Geistlichen
Date
1927-12-01
Page
492 (sequence 20)
Language
German
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Julius Goldstein Lande unter der Agrarbevölkerung, die ja in Rußland über 80% der Gesamtbevölkerung ausmacht, bolschewistische Juden nur spärlich vertreten sind, ist klar. Wir haben allerdings über die bolschewistischen Juden in den Provinzstädten keine Zahlen. Aber es leuchtet doch ein, daß die Juden, die es zu Macht und Einfluß bringen, sich vor allem in Petersburg und Moskau konzentrieren, und daß der Vorwurf des Bolschewismus als Judenbewegung gerade im Hinblick auf diese exponierten Stellungen erhoben wird. Nun gibt es natürlich eine Reihe führender Bolschewisten, die jüdischer Abstammung sind, wie Trotzki, Radeck, Sinowjew, Litwinow u. a. Aber ihnen gegenüber steht die Majorität der christlichen Führer des Bolschewismus. Ich nenne einige Namen: Lenin, Tschitscherin, Lunatscharski, Kolontaj, Bitzenko, Peters und Dzerschensky, Krassin, Dybenko, Krylenko u. a. Und wie steht es mit der roten Armee? Die Führer sind frühere zaristische Generäle und Militärlechniker: General Tscheremissow, General Klembowskiy, General Swejetschin, General Radus Sonkowitsch, die Generäle Bajow, Seliwatschow, Nadeschnyj, Sytin, Jegorjew u. a. m. (Vergl. den Aufsatz von E. Hurwicz in der Deutschen Rundschau vom Dezember 1919). Es gibt bei uns politische Parteien und russische Refugies, die ein Interesse daran haben, den Bolschewismus zu einer jüdischen Bewegung zu stempeln. Geflissentlich werden nur die jüdischen Führer genannt Geflissentlich wird verschwiegen, daß der russische Bolschewismus einen systematischen Vernichtungskampf gegen die jüdischen Gemeindeinstitutionen, insbesondere gegen das Rabbinat führt Der Bolschewismus hat die Kultusvorstände und Rabbinatskollegien aufgelöst, die jüdischen Zeitungsorgane verboten und hat fast aus sämtlichen Gemeinden Rußlands eine wahre Massenflucht der Wohlhabenden wie der Ärmsten herbeigeführt Die begüterten Juden und der jüdische Mittelstand sind politisch mit verschwindenden Ausnahmen Anhänger der Kadettenpartei. Das jüdische Proletariat aber gehört fast ausschließlich den Menschewiki an, den entscheidensten Gegnern der Bolschewisten. — Ich komme endlich zum Vorwurf: Das Judentum beherrsche die Freimaurerei. Es steht mir als Juden nicht an, zu dem Problem Freimaurerei und katholische Kirche einem katholischen Geistlichen meine persönliche Auffassung vorzutragen. Nur dies muß in aller Schärfe gesagt werden: Das Judentum als solches hat nichts, aber auch gar nichts, mit der Freimaurerei zu tun. Wenn wirklich in der Freimaurerei, besonders der romanischen, eine Feindschaft gegen die Religion, insonderheit 492

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