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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 461

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Die Parapsychologie
Date
1927-12-01
Page
461 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Die Parapsychologie 3. Zum Gebiete der reinen Parapsychologie gehören die Erscheinungsgruppen, welche unter den Namen Telepathie, Gedankenlesen, Hellsehen (clairvoyance) bekannt sind. Über die letzte dieser drei Gruppen können wir uns an dieser Stelle ganz kurz fassen. Der Name sagt alles, nämlich, daß in Rede steht eine Erfassung dinglicher Gegenständlichkeiten ohne Vermittlung der Sinnesorgane. Bei den beiden erstgenannten Phänomenen, Telepathie und Gedankenlesen, handelt es sich darum, daß ein parapsychisch begabter Mensch Kenntnis um den Wissensinhalt eines anderen erwirbt, ohne daß, wie im Normalen, seine Sinnesorgane ihm Leibesbewegungen des anderen oder deren Ergebnisse übermitteln, welche er dann analogienhaft deutend verwertet; unser normales Wissen um die Wissensinhalte eines anderen wird ja bekanntlich auf dem eben geschilderten umständlichen Wege erworben, wobei zu den Leibesbewegungen des Anderen auch sein Sprechen, zu ihren Ergebnissen auch seine Schrift gehört Aus dem umständlichen indirekten Wege des Erwerbs wird parapsychisch ein direkter. Man beachte aber dieses: Wissen bleibt immer Wissen, und nur der Weg des Wissenserwerbes ist parapsychisch ein anderer als normalerweise. Oft faßt man Telepathie und Gedankenlesen unter dem ersten dieser Namen zusammen. Ich möchte beide, vorläufig wenigstens, begrifflich und sprachlich, lieber getrennt sehen. Denn wenn wir ein für allemal den, dessen Wissensinhalt erworben wird, den Geber, (englisch und französisch: agent), den, der ihn erwirbt, den Empfänger (percipient) nennen, so ist der Unterschied zwischen echter Telepathie und echtem Gedankenlesen, beides im engeren Sinne verstanden, jedenfalls der, daß beim Gedankenlesen der Empfänger aktiv ist, daß er, sei es im Wachzustand oder im Trance, in den Gedanken des völlig inaktiven Gebers „lesen" will, während bei der Telepathie meist beide Beteiligten ohne Wissen und Willen handeln und, falls das nicht der Fall ist, der Geber der aktive Teil ist Der parapsychisch Begabte, also in spiritistischer Terminologie, die hier aber nur ein kurzes Wort für uns bedeuten soll und nicht mehr, das Medium, übt, sowohl da, wo es sich um den telepathischen Geber, als auch da, wo es sich um den gedankenlesenden Empfänger handelt, seine paranormale Fähigkeit bald bewußt, bald „unbewußt", nämlich im hypnoseartigen „Trance"-zustand aus, so daß also, was eines der wenigen gesicherten theoretischen Ergebnisse der Parapsychologie ist, der spezifische Seelenzustand des Mediums für 461

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